11. Mai 2016. Die junge Architekturstudentin Yangjie Li kehrt von ihrer Joggingrunde nicht mehr zurück. Ihre Mitbewohner geben eine Vermisstenanzeige auf. Zwei Tage später wird wenige Häuser weiter eine Leiche entdeckt. "Sie sah aus wie eine Puppe", schilderte der Polizist Lukas O. Aufgrund ihrer schweren Verletzungen konnte die junge Frau anfangs nicht identifiziert werden. Nach einer 6-stündigen Obduktion stellte sich heraus, dass es sich bei der Leiche um die vermisste chinesische Studentin Yangjie Li handelte.

Staatsanwaltschaft geht von gemeinschaftlicher Vergewaltigung und Mord aus.

Yangjie Li sei beim Joggen von einer jungen Frau von einem Hauseingang aus um Hilfe gebeten worden sein.

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Trotz Verständigungsschwierigkeiten folgte Yangjie Li der freundlich wirkenden 20-Jährigen in das Haus. Dort soll die Studentin von einem jungen Mann, ebenfalls 20 Jahre, überwältigt, geschlagen und in eine leerstehende Wohnung gezerrt worden sein. Dort sollen Xenia I. und Sebastian F. die junge Frau brutal vergewaltigt haben. Danach sollen sie das schwer verletzte, nackte Opfer bewusstlos drei Stunden in der Wohnung liegen gelassen haben, in der Hoffnung sie würde bald an ihren Verletzungen sterben. Das Paar lebte als einzige Bewohner des Hauses in der Wohnung darüber. "Angesichts der Gegenwehr des Opfers war den beiden Angeklagten bewusst, dass die Frau Hilfe holen und sie eine Strafe für ihre Handlungen erwarten würden. Also fassten sie den Plan sie zu ermorden.", so Staatsanwältin Heike Kropf.

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Als die beiden wiederkehrten und feststellten, dass Yangjie Li noch am Leben ist, sollen sie versucht haben sie gemeinsam über das Fenster in einem Gebüsch hinter einer Dixi-Toilette zu entsorgen. Die junge Frau erlag Stunden später ihren Verletzungen und wurde zwei Tage später von der Polizei gefunden.

Sebastian F. ersparte Polizei die Suche nach Tatverdächtigen

Am 23. Mai 2016, 10 Tage nach dem Fund der Leiche, wurde Sebastian F, zu einer Routinebefragung in die Polizeidirektion #Dessau vorgeladen. Dort lenkte er den Verdacht auf sich und seine Lebensgefährtin Xenia I. Angeblich haben die beiden am Tatabend einvernehmlichen Sex zu Dritt mit dem Opfer Yangjie Li gehabt. Diese habe danach die Wohnung verlassen. Die Ermittler sollen sich "also nicht wundern", wenn an der Leiche die DNA der beiden gefunden werden würde. Am gleichen Tag noch wurde das Paar festgenommen und in unterschiedliche Haftanstalten gebracht.

Internationales Aufsehen

Der Mord an Yangjie Li erschütterte nicht nur die Einwohner Dessaus.

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In zahlreichen deutschen Städten nahmen die Menschen mit öffentlichen Trauerfeiern Abschied von der 25-Jährigen. Vor allem in China reagierten die Menschen schockiert. Denn der Mord rückte nicht nur aufgrund seiner Brutalität in das Licht der Öffentlichkeit. Jörg S., Stiefvater des Tatverdächtigen und damaliger Leiter der Polizeidirektion Dessau und seine Ehefrau Ramona S., Mutter von Sebastian F, ebenfalls Polizeibeamte, wurden verdächtigt die Ermittlungen beeinflusst zu haben. Nach zahlreichen Ungereimtheiten übertrug deshalb das Innenministerium Sachsen-Anhalt am 26. Mai 2016 die Ermittlungen von der Dessauer Polizei auf die Polizei in Halle. Momentan sind beide Polizeibeamte krank geschrieben. Jörg S. soll versetzt werden. Am 25. November 2016 fand der erste Verhandlungstag am Landgericht Dessau statt. Der Prozess am Landgericht Dessau ist öffentlich - alle Besucherplätze waren besetzt. Letzten Montag brach die Angeklagte ihr Schweigen und legte ein Teilgeständnis ab.

Lesen Sie hier die neusten Entwicklungen im Mordprozess. #YangjieLi