Über 1.100 Menschen demonstrierten am vergangenen Samstag in Gedenken an Oury Jalloh. Der Asylbewerber aus Sierra Leone war vor zwölf Jahren unter fragwürdigen Umständen und unter Polizeigewahrsam in einer Dessauer Gefängniselle verbrannt. Seitdem fordert eine Gedenk-Initiative eine Aufklärung des Falles - und macht jährlich auf den Tod Jallohs und institutionellen, sowie gesellschaftlichen Rassismus in der Bundesrepublik aufmerksam.

Auch am Samstag fanden sich Unterstützende der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh zu einem erneuten Marsch durch Dessau-Roßlau ein. Ziel war das Polizeibüro, in dem der Hilfesuchende Jalloh 2005 zu Tode kam.

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Im Gegensatz zu den Vorjahren habe die diesjährige Demonstration mit über 1100 Teilnehmenden allerdings einen Höhepunkt erreicht, erklärt Polizeisprecher Ralf Moritz. Weitere Proteste waren bundesweit organisiert worden, so versammelte man sich etwa auch in Berlin.

War es Mord? Der umstrittene Todesfall Oury Jalloh

Jalloh war 2005 ums Leben gekommen, nachdem die Matratze in seiner Einzelzelle angezündet worden war. Zuvor wurde er festgenommen, nachdem er mehrere Frauen belästigt haben und sich gegen Polizeibeamte gewehrt haben soll. Mit über zwei Promille im Blut und an Händen und Füßen gefesselt soll er anschließend seine Matratze in Brand gesetzt haben. Die überwachende Polizeidienststelle habe von jenen Ereignissen und dem Brand mit Todesfolge nichts mitbekommen.

Die in diesem Zusammenhang angeklagten Polizisten wurden 2008 freigesprochen.

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Nachdem der Bundesgerichtshof den Freispruch des Dienstgruppenleiters 2010 aufgehoben hatte, wurde dieser 2012 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt.

2014 leitete die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ein neues Ermittlungsverfahren ein, nachdem die private Gedenkinitiative ein Gutachten vorlegte, das die Annahme des von Oury Jalloh selbst hergeleiteten Brands infrage stellt. Im August 2016 kündigte sie zudem eine eigene Rekonstruktion der Tathergänge zur endgültigen Aufklärung des Falles an. #OuryJalloh #Protest #Rassimus