Am 10. Prozesstag brach die Angeklagte Xenia I. ihr Schweigen und legte ein Teilgeständnis ab. Sie schilderte, wie sie die Studentin ins Haus gelockt und ihr Verlobter Sebastian F. sie vergewaltigt und ermordet habe. Nachdem der Prozess nach der überraschenden Wende eine Woche unterbrochen werden musste, wurde Xenia I. am Montag von Richterin Uda Schmidt befragt.

Vom Stiefvater vergewaltigt

Xenia I. schilderte, dass sie aus schwierigen Familienverhältnissen komme. Mit ihrer Mutter habe sie oft gestritten, der Stiefvater habe sie mehrfach vergewaltigt. „Anfangs war er nett, hat mir bei den Hausaufgaben geholfen. Als meine Stiefgeschwister geboren wurden, änderte er sich.

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Er fasste mich an den Po und die Brüste, versuchte mich zu küssen. Schließlich vergewaltigte er mich“, so Xenia I. Mit 14 Jahren hatte sie ihre erste Beziehung, wurde 2 Jahre später von ihrem Freund schwanger. Kurze Zeit später verließ er sie. 2012 habe die Angeklagte ihr erstes Kind zur Welt gebracht, lebte in einem Mutter-Kind-Heim. Dort lernte sie Sebastian F. kennen. Ihre Cousine, die zu diesem Zeitpunkt mit ihm liiert war, brachte ihn zu einem Besuchstermin mit.

Beziehung war ein Albtraum

Anfangs sei die Beziehung mit Sebastian F. sehr schön gewesen. „Bis im Sommer 2014 die Probleme begannen“, so Xenia I. Er habe begonnen sie zu schlagen, zu treten und zum Sex zu zwingen. „Je mehr ich mich gewehrt habe, desto erregter war er“, schilderte Xenia I. Oft habe er sie gewürgt, sodass sie aus Angst ihre Notdurft nicht zurückhalten konnte.

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Überall habe er sie verletzt, nur das Gesicht bliebe verschont. Hinzu kommt, dass sie enorm unter seinem ständigen Kontrollzwang gelitten habe. Er wollte wissen mit wem sie Kontakte pflegte und worüber sie sich mit den jeweiligen Personen unterhielt. „Ich durfte nichts über Probleme erzählen“, so Xenia I. Schon lange habe Sebastian F. nach Sex zu Dritt verlangt. Xenia I. musste bereits am Tag vor der Vergewaltigung von Yangjie Li auf der Straße Ausschau nach einer jungen Frau halten. Als sie nach mehr als zwei Stunden keine potenzielle Partnerin finden konnte, habe ihr Verlobter sie brutal geschlagen und zum Sex gezwungen. Ihre Schmerzen ignorierte er.

Rätsel um Tod des gemeinsamen Babys

Xenia I. brachte einen Sohn mit in die Beziehung, im August 2014 kam das erste gemeinsame Kind zu Welt. Sebastian F. habe seiner Lebensgefährtin verboten, sich frauenärztlich untersuchen zu lassen. Dennoch musste sie sich allein um die Verhütung kümmern. „Er hat mir vorher immer gesagt, dass er kein drittes Kind haben will“, schilderte Xenia I.

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Im Juni 2015 brachte sie das dritte Kind bei einer Sturzgeburt zur Welt. Bis dahin habe sie nicht gewusst, dass sie schwanger gewesen sei. Vor der Richterin sagt sie, dass sie aus Angst die Anzeichen ignoriert habe. Wenige Monate später verstarb das Baby auf bisher ungeklärte Weise.

Zwei ereignisreiche Verhandlungstage

Am Montag erinnerten chinesische Studenten vor Verhandlungsbeginn an die getötete Studentin. Sie standen still vor dem Gerichtssaal, trugen weiße Blumen an der Kleidung und hielten Zettel in der Hand mt der Aufschrift "Gerechtigkeit für Yangjie Li".

Immer wieder musste die Verhandlung unterbrochen werden. Xenia I. kämpfte während der Befragung durch die Richterin mit den Tränen, antwortete mit zittriger Stimme. Als die Richterin ihr Fragen zu den Tatumständen stellte, sah sich die Angeklagte endgültig nicht mehr in der Lage zu antworten. Aus diesem Grund beschloss man, die Verhandlung am nächsten Tag fortzusetzen. Doch Xenia I. wollte ohne Angabe von Gründen am Dienstag keine weiteren Fragen von Richterin Uda Schmidt zur Tatnacht und den genaueren Umständen ihrer Beteiligung beantworten. „Es sind noch sehr viele Fragen offen. Wenn wir einschätzen und bewerten sollen, was wirklich passiert ist, ist es sehr wichtig, dass wir Nachfragen stellen können“, so die Richterin.

Nachdem die Mutter von Xenia I. als Zeugin ausgesagt hat, wurde der 12. Prozesstag nach nur 40 Minuten beendet. #YangjieLi #Dessau