Am 11. Mai 2016 wurde die chinesische Studentin Yangjie Li in Dessau brutal vergewaltigt und ermordet. Die Tatverdächtigen Xenia I. und Sebastian F. schwiegen eisern - bis letzten Montag. Dort brach die Angeklagte ihr Schweigen und legte ein Teilgeständnis ab.

Belastende Zeugen

Am 25. November 2016 startete der Prozess zu dem Fall Yangjie Li. Über mehrere Wochen hinweg äußerte sich keiner der beiden Angeklagten. Obwohl sich die beiden aufgrund der Untersuchungshaft monatelang nicht mehr gesehen hatten, würdigten sie sich am ersten Prozesstag keines Blickes. In neun Prozesstagen legten sich die Geschehnisse immer deutlicher dar.

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So soll Sebastian F. schon mehrfach wegen Verhaltensauffälligkeiten in psychiatrischer Behandlung gewesen sein. Eine ehemalige Freundin sagte aus, im Jahr 2013 von ihm vergewaltigt worden zu sein. Außerdem spielte Xenia I. seit Längerem mit Selbstmordgedanken, so die Mutter der Angeklagten. Im Jahr 2015 verstarb das Baby des Paares auf ominöse Weise. In der Wohnung Tatverdächtigen fand die Polizei unteranderem einen Vertrag, der die sexuelle Beziehung der beiden bis ins Detail umschrieb. Dort sei auch geregelt, dass Xenia I. ihrem verlobten bei Nichterfüllung ihrer sexuellen Pflichten einen Ersatz besorgen müsse. Einen Tag vor Yangjie Lis Verschwinden erkundigte sich Xenia I. bei ihrer Cousine, ob diese mit Sex zu Dritt einverstanden wäre. Sie lehnte ab. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft setzte Sebastian F.

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seine Partnerin immer weiter unter Druck, sodass sie gemeinsam die Vergewaltigungstat planten.

Xenia I. bricht am 10. Prozesstag ihr Schweigen

Am Montag legte die Angeklagte ein Teilgeständnis ab. Demnach habe sie unter Druck durch Sebastian F. geholfen die junge Chinesin in die Wohnung zu locken. Der Angeklagte habe schon im Hausflur versucht sie zu vergewaltigen, brachte sie aber aufgrund ihrer Gegenwehr in die leerstehende Wohnung. Die Angeklagte habe versucht ihn aufzuhalten, ihr Partner sei aber "wie im Rausch gewesen", so Xenia I. Die Polizei rief sie nicht. Sie selbst nahm nur kurz an der Vergewaltigung teil, als ihr Lebensgefährte sie dazu zwang. Die restliche Zeit habe sie in der Wohnung darüber mit den Kindern verbracht. Später habe er ihr erklärt die Studentin ermordet zu haben. Xenia I. sollte die Taschenlampe halten, während Sebastian F. die junge Frau versteckte. die gesamte Beziehung mit ihm soll eine Tortur gewesen sein. Er habe seine Partnerin mehrfach misshandelt und bedroht. So habe er sie auch zu einem Dreier gezwungen. Falls Xenia I. seinem Bedürfnis danach nicht nachkommen würde, würde er ihr und ihrer Familie etwas antun.

Sebastian F. schweig während ihrer gesamten Aussage. Die kommenden tage wird Xenia I. von einem Psychologen und der Richterin befragt. Nächsten Montag werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Der Fall Li: Was ist passiert? Lesen Sie hier den Rückblick. #YangjieLi #Dessau