Es war am 24. Dezember 2015 um 19.03 Uhr, als ein heute 23-Jähriger auf der A4 bei Overath die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Warum, das konnte auch heute vor dem Gladbacher Amtsgericht nicht geklärt werden. Angeklagt war eine Drogenfahrt mit erhöhter Geschwindigkeit. In Höhe einer Raststätte prallte der 23-Jährige zuerst gegen die Mittelplanke, schleuderte gegen die Außenplanke und blieb schließlich unbeleuchtet auf der mittleren Fahrbahn stehen.

Zu diesem Zeitpunkt passierte ein 53-jähriger Frührentner mit seiner Frau die Unfallstelle. „Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich kam heil vorbei“, so der Zeuge vor #Gericht. Er habe seinen Wagen auf dem Standstreifen zum Stehen gebracht und sei ausgestiegen und sei gerade dabei gewesen sich die Warnweste anzuziehen. „Auf einmal habe ich nur noch Schreien gehört. Dann kamen auf einmal immer wieder Teile geflogen. Man hörte die Einschläge, heftig, mehrere hintereinander. Seit dem fahre ich nicht mehr auf der Autobahn. Ich bin jetzt ängstlich“, erklärte der Zeuge.

Todesfalle bei Dunkelheit und nasser Fahrbahn

Insgesamt waren sieben weitere Autos in die Unfallstelle gekracht und mit den anderen Autos kollidiert. Viele Menschen wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Das fünfte Auto fuhr die 51-jährige Ursula K., sie hatte die Unfallstelle halbwegs glimpflich passiert, hatte sich abgeschnallt und versuchte ihren Wagen zu verlassen, als Auto Nummer 6 in sie hinein raste und tödlich verletzte.

Ein Verkehrsanalytiker bestätigte die erhöhte Geschwindigkeit des Angeklagten nicht. Bei der ersten Kollision mit dem Mittelstreifen habe sein Fahrzeug eine Geschwindigkeit von höchsten 110 Stundenkilometern gehabt.

Notarzt hatte Drogen verabreicht

Und die Drogenvorwürfe fanden eine absurde Aufklärung. Wie der Notarzt aussagte, hatte er dem schwerverletzten Angeklagten neben einem Schmerzmittel ein Mittel gegen Übelkeit gespritzt. Dieses Mittel sei nötig um die Nebenwirkungen des Schmerzmittels in Schach zu halten, erklärte der Notarzt. In Inhaltsstoffe des Anti-Brech-Mittels entsprachen den Werten, die die Rechtsmedizin im Blut des Angeklagten gefunden hatten.

Die Vorsitzende des Schöffengerichts entschied, dass der Fall gegen die Zahlung von 2000 Euro an eine gemeinnützige Organisation eingestellt werden solle. Dafür spreche, dass der Angeklagte bisher nicht vorbelastet sei, auch nicht im Verkehrsregister. Außerdem seien auch die anderen Unfallbeteiligten nicht unschuldig an dem furchtbaren Unglück. „Der #Bundesgerichtshof hat klar entschieden, das #Sichtfahrgebot gilt auch auf der Autobahn“, so Richterin Birgit Brandes.

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