Vor dem Kölner #Landgericht soll zurzeit geklärt werden, ob ein 31-jähriger Brandstifter eine Gefahr für die Allgemeinheit ist und auf unbestimmte Zeit im Maßregelvollzug, einer geschlossenen #Psychiatrie für Straftäter, untergebracht werden soll. Die Unterbringung gilt als das schärfste Schwert der deutschen Justiz, schließlich ist eine Entlassung nur noch mit einem positiven Gutachten möglich. Die durchschnittliche Verweildauer soll zwischen sechs und sieben Jahren liegen.

Der Fall: Im Mai letzten Jahres wurde der Beschuldigte vor seiner ehemaligen Firma angetroffen, die in Teilen lichterloh brannte, der Schaden wurde auf rund 150 000 Euro beziffert.

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Der 31-Jährige hatte beim Eintreffen von Rettungskräften und Polizei freimütig erklärt, dass er mithilfe von Benzin das Feuer gelegt habe. Auch vor Gericht räumte der 31-Jährige die Tat ein. Über zwei Jahre sei er auf seiner Arbeitsstelle übelst gemobbt worden. Dabei habe ein 44-jähriger Arbeitskollege eine führende Rolle eingenommen. Aus Wut habe er dem Kollegen rund ein Jahr vor dem Brand mit einer Madonna aus Stein ans Ohr gehauen. Seit der Tat befindet sich der Angeklagte in der geschlossenen Psychiatrie in Essen.

#Mobbing: Schmerzensgeld für den Peiniger

Das zuständige Amtsgericht hatte das Verfahren gegen den 31-Jährigen gegen eine Schmerzensgeld-Zahlung von 3000 Euro an den Kollegen eingestellt. Der Beschuldigte hatte beim Chef ein Gespräch, in dem er die Entlassung des Kollegen forderte.

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Als der Chef darauf nicht einging, bat er den Chef, ihm zu kündigen. Auch darauf sei er nicht eingegangen, er sei ja mit dem Mitarbeiter zufrieden gewesen, so der 52-jährige Unternehmer vor Gericht. Er habe keinerlei Mobbing wahrgenommen. Die Prügelei in der Freizeit gehe ihn nichts an, daraufhin habe der Beschuldigte selbst gekündigt.

Der 44-jährige Ex-Kollege beteuerte vor Gericht sein großes Erstaunen über die Mobbingvorwürfe. „Ich kenne ihn von klein auf. Meine Eltern waren mit seinem Vater befreundet. Niemals würde ich etwas schlechtes über ihn sagen.“ Diese Zeugenaussage in der Lokalausgabe von zwei Zeitungen brachte allerdings eine überraschende Wendung: Bei der Familie des 31-Jährigen meldeten sich neue Zeugen, die heftiges Mobbing bestätigen. Auch ein heute bereits geladener Zeuge und damaliger Arbeitskollege bestätigte diese Sicht: Der 44-Jährige habe sich gegenüber dem Beschuldigten vulgär, beleidigend und herabsetzend benommen. Die Firmenleitung habe einen „Mantel des Schweigens“ verhängt.

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„Darüber durfte nicht geredet werden.“

Erschreckendes Fazit

Was ich so schrecklich finde, ob es in diesem Fall so war oder nicht: Es ist gut vorstellbar, dass ein Mobbingopfer allein nur deswegen psychisch erkrankt, weil es gemobbt wird, aber alle sagen, dass das Mobbing gar nicht stattfindet. Und wenn das Opfer dann ausrastet und was Schlimmes tut, was natürlich bestraft gehört, dann endet das Opfer vielleicht für immer in der Psychiatrie. Ich bleibe an diesem Fall dran.

Lesen Sie weitere Entwicklungen im Prozess im Teil 2 >>

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