Vergangene Woche sollte die Angeklagte Xenia I. weitere Fragen der Richterin zur Tatnacht beantworten. Nachdem sie keinerlei Auskünfte mehr geben wollte, wurde ihre Mutter Dorit I. verhört. Diese habe ihren Schwiegersohn in Spe Sebastian F. schon immer als schwierige Peron empfunden. „Er weiß alles besser, wollte alles bestimmen. Wenn ich ihm das gesagt habe, war er gleich beleidigt oder hat rumgeschrien", so die Mutter von Xenia I. Diese Aussage passt sehr zu dem aggressiven Verhalten von Sebastian F, was er an einem früheren Prozesstag schon im Gerichtssaal zeigte indem er einen Beamten lautstark beleidigte. Dorit I. sorgt derzeit für die Kinder der beiden Angeklagten.

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Sie erzählte, dass die Mutter von Sebastian F., die seit Prozessbeginn dem Gericht immer und immer wieder Krankschreibungen vorlegt, regelmäßig ihre Enkelkinder abholt um mit ihnen Zeit zu verbringen. In Anbetracht dessen, dass sie offiziell krank sei, löste dieses Verhalten Misstrauen bei der Nebenklage aus.

Gegen Angeklagten laufen mehr als 30 Verfahren

Am Montag sagte ein weiterer Beamter gegen Sebastian F. aus, der an früheren Ermittlungen gegen den 21-jährigen beteiligt war. Demnach liegen circa 30 Verfahren gegen den Angeklagten vor. So soll er der Polizei schon öfter unteranderem wegen Brandstiftung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Körperverletzung aufgefallen sein. Bei einer Wohnungsdurchsuchung habe er die Polizisten als „Dackel“, „Idioten“ und „Kackfressen“ bezeichnet.

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Dessauer Kriminalpolizei steht enorme Fehler bei den Ermittlungen ein

So räumte der Leiter der Ermittlungen der Kriminalpolizei Thomas E. unteranderem ein, dass die Ermittler wichtige Blutspuren am Fenster der Wohnung und am Baugerüst des Gebäudes bei den ersten Untersuchungen ignoriert haben, „weil draußen Leute Blumen niedergelegt haben und Presse da war“, so Thomas E. Außerdem habe man wichtiges Videomaterial einer Überwachungskamera viel zu spät gesichert, da der Polizei angeblich der nötige Speicherplatz fehlte.

Hinzu kommt, dass die Anwohnerbefragungen nur sehr schleppend voran gingen. In den ersten Tagen nach dem Fund von Yangjie Lis Leiche habe man 147 Anwohner befragt. Sebastian F. konnte man dabei leider nicht ausfindig machen. Erst eine Woche später wurde er schriftlich zur Vernehmung vorgeladen. Für systematische, vollständige Befragungen fehlten der Polizei die nötigen Einsatzkräfte. Schließlich musste der Großteil der Polizeibeamten das Landespokalfinale im Fußball zwischen dem Halleschen FC und dem FC Magdeburg sichern.

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Auch Ramona S., die Mutter des Angeklagten und selbst Polizistin in #Dessau, führte Anwohnerbefragungen durch. Ihr Verhalten und das ihres Mannes sorgten während der gesamten Ermittlungen für Unverständnis. So haben sie beispielsweise einen Tag nach der Trauerfeier von Yangjie Li ein Gartenlokal eröffnet und Sekt verteilt.

Stiefsohn misshandelt: „Das gesamte Haus stank nach Urin“

Am Dienstag wurde eine Bekannte der beiden Angeklagten vernommen. Sie erzählte wie sie einmal beobachtete, dass Sebastian F. seinen Stiefsohn kopfüber in eine Regentonne getaucht habe, um ihn zu bestrafen. Außerdem habe er das Kind tagelang in seinem Zimmer eingesperrt ohne ihn auch nur einmal auf die Toilette zu lassen.

Die Verhandlungen werden am 20. Februar im Dessauer Landgericht fortgesetzt. #YangjieLi