Dabei hat der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent längst nach sechs zuvor erschienenen Filmen seinen Mut bewiesen, Randthemen der Subkultur zu durchleuchten und zu hinterfragen, zumal Tharek Ehlail über genügend eigene Erfahrungen verfügt, wer seine Vita betrachtet.

Kein guter Start, mit obendrein anrüchig verfassungsfeindlich belegten Songtexten, die die Oi-Punk-Band „Pöbel & Gesocks“ zu seinem Kinodebüt „Chaostage – We are Punks!“ lieferte, welche Jahre später zurecht indiziert wurden, für Ehlail. Fraglich die Behauptung, er sei von Punks für Punks. Wer mal in der Szene lebte, muß solche Erkenntnisse nicht unbedingt teilen.

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Darüber konnte ebenso kein Aufgebot deutscher Schauspieler wie Ben Becker, Ralf Richter und etliche andere hinwegtäuschen, die Kritik verebbte nicht, zumal auch eine gewisse Frauenfeindlichkeit anklang. Dabei gerät selbst die Oscar-Verleihung ebenso in den Fokus der Empörung was #Rassismus und Aufmerksamkeit für Frauen selbst am Set anbelangt.

Vom deutschen Punkfightclub zur politischen Hinterfragung

Umso erfreulicher Ehlails Bemühungen, gänzlich andere Themen anzupacken, wie zuletzt beim dystopischen Spielfilm „Volt“, der beim Filmfest München im Juni 2016 Premiere feierte. Weg vom Image des Punkfightclubs mit der Sabotakt Boxparty, die in weiten Teilen Europas stattfand, hin zur politischen Hinterfragung.

Parallel zu den Dreharbeiten entwickelte sich hierzulande ein Aufschrei zur Flüchtlingskrise und das Erstarken rechter Kräfte von der #PEGIDA bis zur #AfD, manifestierte Mauern in den Köpfen ewiggestriger Nationalisten.

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Festung Europa schafft Transitzonen im Film, welch erschreckend simple, politische Tragweite, in der der Polizist Volt, gespielt vom Schauspieler und Synchronsprecher Benno Fürmann, mit seinen Kollegen für Ordnung sorgen soll, ein gewisser Abstand zur wohlbehüteten Welt bewahrt bleibt.

Alltagsrassismus im Film mit ein Anlaß zur Aufforderung seitens der AfD

Als mit der zweiten Kölner Sylvesternacht der Begriff der Nafris unter der Polizei die Runde machte, ließ ein Aufschrei nicht lange auf sich warten. Verständlich, selbst wenn hinterher sich herausstellte, daß obendrein kaum Nordafrikaner unter den potentiell Verdächtigten waren. Im Film „Volt“ offenbart sich ein gängiger Umgangston bei den Polizisten in den Transitzonen, die Rede ist von „Blacky“ und „Transit“, ein selbstverständlich währender Alltagsrassismus.

Genau solche Bilder und Metaphern scheint die AfD gern zu sehen, benutzt Ehlails Filmwerk für eigene Zwecke, ihre Politik der Ausgrenzung zu rechtfertigen. Selbst wenn der Regisseur selbst Kontroversen gutheißt, so sollte man nicht die Denkweise der Neuen Rechten unterschätzen, die jede Möglichkeit für ihre politische Botschaft zu nutzen weiß.