Der 1928 geborene William M. Bass, ein angesehener forensischer Anthropologe, gründete in den 1980er-Jahren die erste sogenannte #Body Farm, in Knoxville (Tennessee). Mittlerweile existieren vier davon, allesamt in den USA.

Die Body Farm in Knoxville gehört der "University of Tennessee" an. Es handelt sich um eine abgeriegelte Freiluft-Forschungseinrichtung, die sich mit dem Zerfall menschlicher #Leichen unter verschiedenen Umweltbedingungen beschäftigt. Das Gelände darf in der Regel nur von Wissenschaftlern, in erster Linie von Anthropologen und Kriminologen, und freiwilligen Körperspendern betreten werden. Offiziell befinden sich auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern ständig um die 40 Leichen in verschiedenen Stadien der Verwesung.

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Sie sind verteilt auf dem Boden eines großen Waldstückes oder auf der angrenzenden Wiese. Sie liegen in der Sonne, im Schatten, unter Plastikplanen, im Unterholz oder sitzen im Wrack eines Autos. Sie sind in Beton eingemauert, liegen auf einem Steinboden, liegen unter einem Metallgitter oder sind in eine Decke/einen Teppich eingewickelt.

Hinter einem Baum sieht man ein leicht geflecktes Bein unter einer Plastikplane hervorkommen, und ganz in der Nähe sind nur noch von lederiger Haut überzogene Knochen zu sehen. Auf einer schönen grünen Wiese, halb im Schatten, liegt ein frisch abgelegter Körper, der aussieht als würde er nur schlafen. An einer anderen Stelle liegt ein aufgeblähter, verfärbter Körper in der prallen Sonne. Die eine Leiche ist angezogen, die andere nackt. Da liegt eine Leiche in Unterwäsche und 100 Meter weiter steht ein PKW, in dessen Kofferraum ein dick eingemummelter Körper deponiert ist.

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Natürlich gibt es auch Tiere auf der Farm. Es ist klar, dass sich diese an den Leichen zu schaffen machen. Auch das sind realistische Bedingungen, die Grundvoraussetzung für diese Art von Forschung sind. Es macht wenig Sinn, den natürlichen Verfall eines toten Körpers unter künstlichen Bedingungen in einem Labor zu erforschen.

Dieses Versuchsfeld ist sehr wichtig für die Forensik und für die Aufklärung von Mordfällen. Sie dient der Rechtsmedizin und ist die einzige Möglichkeit, in diesem Bereich, unverfälschte Forschungsergebnisse zu erhalten. Auch dient das Gelände, z.B., Übungseinsätzen des FBI.

Es werden alle möglichen Umwelteinflüsse und physikalischen Bedingungen berücksichtigt. Jede Leiche bekommt eine eigene Nummer, sodass klar ist, welcher Körper unter welchen Bedingungen wo abgelegt wurde. Es ist alles durchdacht. Dass ein Bein, z.B., unter einer Plastikplane hervorragt, ist keinesfalls Zufall. So ist der Unterschied zwischen dem Zustand dieses Beines und dem des restlichen Körpers zu erkennen.

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Das ist Teil der Forschung. Das Bein an der frischen Luft verwest natürlich anders, als der restliche Körper unter der Plane. Auch kann somit erforscht werden, wie Tiere in so einem Fall vorgehen. Bevorzugen sie das freie Bein, oder gehen sie lieber unter die Plane? Wie verhalten sich Tiere bei einer Leiche im Kofferraum? Wie schnell entwickeln sich die Maden unter diesen oder jenen Umständen? Wie lange dauert es unter diesen oder jenen Bedingungen, bis die ersten äußerlichen Verwesungsprozesse einsetzen? ... .

Unter den Nummern, die den Leichen zugeteilt werden, werden auch bestimmte Daten der jeweiligen Körperspender festgehalten. Auch diese werden berücksichtigt. Bei Rundgängen begutachten die Mitarbeiter die Körper ganz genau und dokumentieren auch die kleinste Veränderung.

Auf der Body Farm: Über den Tod hinaus, für die Forschung

All diese Menschen, die dort liegen, haben sich zu Lebzeiten dazu entschieden, nach ihrem Ableben, der Wissenschaft auf diese Weise zu dienen.

Nach vollständiger Zersetzung werden die Knochen eingesammelt und gereinigt, um auch weiterhin der Forensik zu dienen. So findet man sie später z.B. an Universitäten als Unterrichtsmaterial. Auch William M. Bass selbst, mittlerweile 88 Jahre alt, möchte einmal auf "seiner" Farm ausgelegt werden, das steht für ihn fest.