Die handwerklichen Fischer/-innen in Caravelas-Brasilien blockierten am 04. Juli den Kanal „Tomba“ und unterbrachen somit das Be- und Entladen von Eukalyptusstämmen für die Zelluloseindustrie. Durch ihn laufen seit 2003 täglich vier monströse Schiffe mit jeweils 15.000 Tonnen Eukalyptusbäumen zur industriellen Weiterverarbeitung aus. Dafür muss in das von Mangrovenwäldern geprägte Ökosystem eingegriffen werden, da die Hafenzufahrt nur durch das jährliche Ausbaggern des Flusses möglich ist. Das Meeresreservat Cassurubá liegt in den regionalen Verwaltungseinheiten Nova Viçosa, Alcobaça und Caravelas im Südbahia – an der nordöstlichen Atlantikküste Brasiliens.

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Die „Reserva Extrativista de Cassurubá“ wurde 2009 ausgewiesen – ein Naturschutzgebiet mit immerhin 1007 km2 – in dem nachhaltige Nutzung erlaubt ist und somit einen Schutz für eine Reihe von Gemeinschaften in drei Verwaltungseinheiten darstellt. Es bestehen jedoch weiterhin diverse Konflikte in Bezug auf die Verwaltung und Nutzung der Fischereiressourcen. Darunter auch Konflikte zwischen den Gemeinschaften und der Zellstoffindustrie bzw. Eukalyptusmonokultur, die in der Region kaum zu übersehen sind. Fehlende Kontrollen, Überfischung, drohende Altersarmut und Nachwuchsmangel – die Situation an den Küsten schreit geradezu nach einer Neureglung.

In der aktuellen Pressemitteilung der Fischervertretungorganisation heißt es: „Die bestehende Umweltzerstörung am Caravelas-Flussdelta infolge der Eukalyptusindustrie beispielsweise, durch Versandung des Flussbettes, Veränderungen in der Hydro-Dynamik des Flusses aufgrund der jährlichen Ausbaggerungen und Verlust von Habitaten stellt die negative Seite der Medaille dar.

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All dies spiegelt sich direkt an den maritimen und zum Fluss gehörenden Fischereierträgen wieder, von denen wir und unseren Kindern essentiell abhängen“. Die Verschlammung und Versandung der Flussdeltas im Südbahia geht mit einer verstärkten Wassertrübung einher, sodass viele auf klares Wasser angewiesene Fischarten, wie der hier in der Region beliebte Seebarsch, abwandern, weil sie ihre Beute nicht mehr erkennen können. Trotz Schaffung und rechtlicher Anerkennung des Meeresreservates konnten die ökologischen Probleme nicht minimiert werden. Daher protestieren die Fischer weiter. Es sind gemäß Landes- und Bundesumweltvorschriften gesetzliche Ausgleichsmechanismen für Ausfälle in der Fischerei vorgesehen. So wird das Ausbaggern des Flusses Caravelas, das zweimal im Jahr stattfindet, mit der Bedingung versehen, eine Entschädigung wegen eingetretener Nachteile in Geld zu leisten. Das Merkwürdige an der Umsetzung dieser Regelung ist der Umstand, dass weder der minimale noch der maximale Wert der zu zahlenden Entschädigung bekannt ist.

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Nicht alles, was glänzt, ist nachhaltig [VIDEO]:

Brasilien ist der viertgrößte Faserstoffproduzent der Welt und der neuntgrößte Papierproduzent. Mit 22,7 Millionen Tonnen ist #Deutschland der viertgrößte Papierhersteller der Welt, und der wichtigste Lieferant von Zellstoff nach Deutschland war nach dem kritischen Papierbericht 2013 Brasilien mit einem 28-prozentigen Importanteil. Aus einer praktischen und kosumkritischen Perspektive ist die Rechnung relativ simpel: Zellstoff wird weltweit meist aus Eukalyptus hergestellt. Je mehr Papier konsumiert wird, desto eher verschwinden intakte Wälder – nicht nur in Brasilien, sondern auch in Russland, Schweden oder Kanada. Auch wenn es Papier aus ökologischer Waldnutzung gibt, ist absolute Vorsicht bei der gegenwärtigen Zertifizierungsflut geboten. Drei FSC-Siegel sind aktuell im Umlauf, die sich zwar in der Ästhetik sehr ähneln, allerdings unterschiedliche Aspekte bzw. Standards berücksichtigen. Der Zellstoff-Import-Verein e.V., der laut eigener Webpräsenz, „die Interessen der Importeure von Zellstoff in die Bundesrepublik Deutschland vertritt“, führt den Konzern Suzano als Mitglied an. Aus deren Ausfuhrliste, Stand Februar 2015, ist zu entnehmen, dass „FSC Eucalyptus“ aus Mucuri in die Bundesrepublik eingeführt wird. Alles aus nachhaltiger, ökologischer und sozialer Waldwirtschaft, versteht sich. #Umwelt