Am 2 Januar 1935 checkte ein Mann in den Raum 1046 des Hotel President unter dem Namen Robert Owen in Kansas City ein. Er trug kein Gepäck bei sich - die einzigen Gegenstände zum Zeitpunkt des Bezugs des Zimmers waren ein Kamm, eine Bürste und Zahnpasta. Es sollte diesem Mann nicht vergönnt sein, wieder aus dem Hotel auszuchecken.

Ein Zimmermädchen gab am Tag seiner Anreise an sie habe ihn am Schreibtisch sitzen sehen. Die Vorhänge seien geschlossen worden, nur eine kleine Lampe auf dem Schreibtisch habe gebrannt. Er habe sie angewiesen, die Tür nicht zu verschließen, da er ein Freund erwarte. Bevor das Zimmermädchen das Bett fertig gemacht hatte war der Mann aus dem Zimmer entschwunden.

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Er habe nervös und verstört gewirkt.

Das Zimmermädchen kehrte nach wenigen Stunden zurück, um die Handtücher zu wechseln. Sie fand Owen voll bekleidet und auf dem Bett liegend vor. Sie bemerkte eine Notiz auf dem Schreibtisch, auf der geschrieben stand: “Don, Ich komme in 15 Minuten wieder. Warte!”

Am morgen des 3 Januars kehrte das Zimmermädchen ein drittes Mal in den Raum zurück. Um 10.30 Uhr fand sie die Tür von außen verschlossen vor. Sie öffnete sie mit ihrem Schlüssel, da sie annahm. Owen sei ausgegangen. Sie fand ihn stattdessen an seinem Schreibtisch vor. Er saß im Dunkeln. Er war am Telefon und sie konnte die Worte hören: “Nein, Don, ich möchte nicht essen. Ich bin nicht hungrig. Ich hatte gerade Frühstück.” Später an diesem Tag, als sie wieder zum Handtuchwechseln kam, hörte sie zwei Stimmen in dem Zimmer.

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Sie klopfte - aber wurde abgewiesen. Eine laute Stimme habe gerufen, dass keine Handtücher benötigt wurden. Es ist nur wenig darüber bekannt wie Owen die Nacht verlebte. Eine weitere Bewohnerin, die gleich neben Raum 1048 wohnte, gab später zu Protokoll, sie habe aus dem Zimmer laute Diskussionen gehört - eine Frau sei anwesend gewesen.

Die Ereignisse nehmen eine seltsame Wendung

Am morgen des 4. Januar bemerkte die Telefonzentrale des Hotels, dass das Telefon in Raum 1046 etliche Stunden in Nutzung schien. Randolph Probst, derselbe Page, der Owen eingecheckt hatte, wurde beauftragt, nach dem Rechten zu sehen und dem Gast darum zu bitten, das Telefon auf die Gabel zu legen, um keine Schwierigkeiten bei der Weitervermittlung von Anrufen zu verursachen, da ein Versehen vermutet wurde.

Als er am Zimmer ankam, fand er ein “Bitte nicht stören” an der Hoteltür vor. Sein Klopfen wurde mit einem “Herein” beantwortet, doch die Tür war verschlossen. Dies wiederholte sich ein weiteres Mal, wieder wurde er herein gebeten - dieses Mal mit der Bitte, doch die Lichter anzumachen.

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Probst nahm an, dass der Hotelgast betrunken war und rief ihm durch die verschlossene Tür zu, doch bitte den Hörer auf die Gabel zu legen. Unverrichteter Dinge zog der Page vondannen - ein weiterer wurde geschickt.

Er fand - nachdem er die Tür mit einem Generalschlüssel geöffnet hatte - Owen vor. Er lag nackt im dunklen Zimmer auf seinem Bett, scheinbar betrunken. Das Telefon war umgestossen worden. Er richtete es auf. Ohne das Licht angemacht zu haben oder mit Owen ein Wort gewechselt zu haben verließ er den Raum wieder.

Als das Problem mit dem Telefon später am Tag wieder auftrat wurde erneut der Page Probst geschickt. Als er die Tür zu Raum 1046 öffnete, machte er eine erschreckende Entdeckung: Auf dem Flur lag Robert Owen in seinem eigenen Blut. Nachdem Probst das Licht eingeschaltet hatte, fand er Blut ebenso auf dem Bett, den Wänden und im Badezimmer. Er war scheinbar mit einem Strick gefesselt worden, hatte mehrere Stichverletzungen, ebenso Schlagverletzungen am Kopf. Owen lebte noch, war jedoch kaum bei Bewusstsein. Die Polizei wurde gerufen - sie versuchten noch vor Ort herauszufinden, was geschehen war. Owen gab an, er sei in der Badewanne ausgerutscht. Dann fiel er in ein Koma und verstarb noch in der gleichen Nacht. Eine Diagnose ergab, dass die Verletzungen mehrere Stunden alt waren - Owen musste bereits verletzt gewesen sein, als das Telefon das erste Mal gerichtet wurde - eine Stimme den Pagen jedoch scheinbar unaufgeregt ins Zimmer bat.

Nach Owens Tod tauchten immer mehr Details auf, die das ganze Geschehen nur mysteriöser machten.

Die Ermittler untersuchten Raum 1046 nach Hinweisen. Sie fanden das Label einer Krawatte, eine nicht gerauchte Zigarette, eine Haarnadel einer Frau, eine Sicherheitsnadel und eine kleine Flasche mit Schwefelsäure. Auch waren auf dem Telefon Fingerabdrücke einer weiblichen Person zu finden.

Robert Owen existiert nicht

Aber die seltsamste Entdeckung stand noch bevor. Als die Männer die Identität des Opfers bestätigen wollten, fanden sie keine Unterlagen, die die Existenz eines Robert Owen belegen konnten. Owen hatte unter einem falschen Namen eingecheckt.

Der Leichnam wurde öffentlich ausgestellt, in der Hoffnung, jemand könnte den Toten identifizieren. Einige Menschen gaben an, dem Mann begegnet zu sein, jedoch immer unter wechselnden Namen, die wiederum nicht bestätigt wurden. Die Behörden waren bereit, den Fall zu den Akten zu legen, da keine dienlichen Hinweise eintrafen.

Dann bekam das Bestattungsunternehmen einen anonymen Anruf. Die Bestattung möge bitte verschoben werden, solange, bis Geld transferiert würde, um eine angemessene Bestattung zu gewährleisten. Der Anrufer bestand zudem auf der Behauptung, der Name Robert Owen sei der richtige Name des Toten. Das Geld wurde tatsächlich transferiert. Im Memorial Park Friedhof in Kansas City wurde der Mann unter dem Namen Robert Owen beigesetzt. Auch ein Florist erhielt einen ähnlichen Anruf mit anschließender Geldüberweisung. Die Bitte des Anrufers: Auf das Grab möge bitte ein Bouquet gelegt werden. Auf der beiliegen Karte sollte stehen: “In ewiger Liebe - Louise.”

Ein Jahr später im Jahre 1936 las eine Frau einen Bericht über das Verbrechen im Magazin “American Weekly”. Sie glaubte nach Betrachten von Skizzen, die Owen zeigten, der tote Mann könnte ihr vermisster Sohn Artemus sein, der im April 1934 verschwunden war. Artemus Ogletrees Mutter machte sich auf nach Kansas City und bestätigte, dass es sich bei dem Toten in der Tat um ihren Sohn handele.

Doch auch danach fand der Fall seine Fortsetzung. Im Jahre 2000 erhielt Dr. John Horner, seines Zeichen Bibliothekar in der Bibliothek von Kansa einen Anruf mit unterdrückter Nummer. Der Anrufer sagte, er habe die Besitzstände einer älteren Frau erworben. Unter den Gegenständen seien etliche Zeitungsausschnitte gewesen, die sich mit dem Mord an Roland Owen / Artemus Ogletree befassten. Auch sei in der Box ein Gegenstand aufzufinden, der in einem der Artikel genannt würde. Doch der Anrufer weigerte sich, Horner seinen Namen zu nennen oder genau anzugeben, welcher Gegenstand es war, den er gefunden hatte. Er sollte sich danach nicht erneut melden.

Warum wurde Artemus Ogletree umgebracht? Warum hatte er sich unter falschem Namen ins Hotel eingecheckt? Fragen, die immer noch heiß in Internetforen diskutiert werden. Die Theorien reichen von der Vermutung, der Mann mit dem Namen Don, mit dem Owen telefoniert habe, habe ihn schließlich getötet, bis hin zu der Spekulation eine eifersüchtige Verlobte habe Owen getötet - und nachher schuldbewusst beim Bestattungsinstitut angerufen. Vermutungen und Fragen, auf die es aber wohl niemals eine definitive Antwort geben wird. Was in Raum 1048 wirklich geschah, wird für immer ein Geheimnis bleiben. #Horror #Mord #makaber