Für Blasting News sprach Theo Leitner mit dem deutschen Künstler #D.Arts über die Umwälzungen im Kunstbereich.

Blasting News: Das Internet verändert viel Liebgewonnenes. Reisebüros sind fast ganz verschwunden, die Zahl der kleinen Apotheken um die Ecke nimmt ab, auch inhabergeführte Fachgeschäfte sind immer weniger Teil unseres Alltags. Wie steht es heute um das Kunsthandwerk?

D.Arts: Ihre Beobachtung ist interessant. In dieser Breite habe ich das Thema noch gar nicht betrachtet. Aber ja, in der #Kunst sehen wir Vergleichbares.

Blasting News: Was genau?

D.Arts: Kunst ist für sich genommen schon kein Bereich, in dem man wohlhabend wird.

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Der Begriff “brotlose Kunst” kommt nicht von ungefähr. Persönlich kann ich mir den Luxus erlauben, aus reiner Leidenschaft Künstler zu sein, dem Herrn sei Dank. Doch es gab durchaus früher, bis eben zum Aufkommen des Internets, durchaus Kollegen, die lebten von “Bürokunst” oder “Wartezimmerkunst”. Dieser Markt ist inzwischen praktisch platt, weil man diese Art “Kunst” mittlerweile in Online-Shops aus Asien zu unschlagbaren Konditionen erhält.

Blasting News: Stirbt hier ein weiterer Teil unserer Kultur?

D.Arts: Nein. Auch wenn einem natürlich jene Kunstmaler leid tun sollten, die davon lebten, genau solche Alltagskunst, oder nennen wir sie “Gebrauchskunst”, zu erschaffen. Diese Leute halten sich heute als Mallehrer über Wasser oder mussten ihren Beruf aufgeben. Aber geht damit ein Kulturverlust im gesamtgesellschaftlichen Sinn einher? Ich denke nicht.

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Das würde erst passieren, wenn die alteingesessenen Galerien verschwänden, wo die höhere Kunst fachkundig gehandelt wird.

Blasting News: Müssen wir auch damit rechnen? Mit dem Verlust der namhaften Galerien?

D.Arts: Vermutlich nicht, wenn sie ein klares Profil haben und von wahren Experten geführt werden.

Blasting News: “Wahre Experten” bedeutet in diesem Fall was?

D.Arts: Höhere Künste, und damit auch die entsprechenden Galerien, sind keine bloßen Dekorationsobjekte. Kunst, insbesondere Gemälde und Skulpturen werden aufgrund dessen erworben, was sie mit dem Betrachter anstellen. Wenn ein Dialog zwischen dem Kunstwerk und seinem Betrachter entsteht, dann ist das etwas, was keine asiatische Kunstfabrik kopieren kann - niemals. Das ist etwas sehr Intimes und genau das ist der Grund, weshalb die höhere Kunst vom Internet nicht bedroht ist.

Blasting News: Wohl auch wegen der Qualitätsunterschiede im Handwerklichen?

D.Arts: Gar nicht mal in erster Linie. Sie glauben kaum, wie gut der Massenramsch aus Asien teilweise gemacht ist.

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Nein, ein wahrhaftig gemaltes Gemälde ist ein Dialog auch zwischen Künstler und entstehendem Werk. Das ist manches Mal ein regelrechter Kampf zwischen dem Kunstmaler und seiner Leinwand. Diese Authentizität ist es, die das Handwerk ausmacht und nicht ob die Linienführung besonders präzise ist.

Blasting News: Sehen Sie die Möglichkeit, dass sich das, was sie vorhin Alltagskunst nannten, in Deutschland wieder erholt. So, dass deutsche Kunstmaler wieder mehr verkaufen können?

D.Arts: Nein. Es sei denn, wir schließen die Möbelhäuser zu und stellen das Internet ab. Völliger Unfug also. Das war übrigens ganz ähnlich im Bereich der Antiquitäten und der Teppiche aus dem Morgenland. Auch bei diesen Gegenständen hält sich nur der authentische Bereich, der über Emotionen verkauft. Der Rest ist schon längst pleite.

Blasting News: Keine schöne Entwicklung, die Sie beschreiben.

D.Arts: Ach, hat uns diese Gebrauchskunst wirklich bereichert? Haben wir als Gesellschaft dadurch etwas verloren, dass diese Maler jetzt keine Chance mehr auf dem Markt haben? Ich denke nicht. In den Büros hängen weiterhin Gemälde und in den Wartezimmern auch. Hat es, außer den Künstlern, jemals jemanden interessiert, woher dieser Bilder kommen und wer sie gemalt hat? Nicht wirklich, oder?

Blasting News: Wie gehen sie als Künstler, der seit über zwei Jahrzehnten malt, mit dieser Entwicklung um?

D.Arts: Ich nehme sie zur Kenntnis und male weiter. Das mag aber auch daran liegen, dass meine Kunst noch nie etwas für jeden war. Ich verlange dem Betrachter doch einige Toleranz ab, kann gut damit leben zu polarisieren und stehe unter keinem finanziellen Druck.

Blasting News: Ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann.

D.Arts: Stimmt, wohl wahr, aber so sei es. Dennoch eines noch zum Abschluss, denn ich muss gleich los. Die Eltern sollten ihre Kinder nicht nur in den Musikunterricht schicken. Malen formt den Charakter. Allerdings bitte nicht bei mir, ich gebe keine Kurse und will damit nicht das Geringste zu tun haben. So mancher durch die asiatische Bilderschwemme getroffene Maler wäre aber über Schüler sicher froh. #Galerie