Ende November kommt die Neuverfilmung von Flatliners in die Kinos, wieder sind fünf junge Medizinstudenten so neugierig, was wohl nach dem Tod passiert, dass sie in Selbstversuchen Herzstillstände bei sich auslösen. Die Wirklichkeit ist aber noch viel spannender als der Film und nicht minder fantastisch. Bei der Untersuchung von Erlebnissen der Menschen auf der Schwelle des Todes gilt der Kardiologe Sam Parnia als führender Wissenschaftler der Welt. Er initiierte vor fünf Jahren die bisher umfangreichste und aufwendigste Echtfallstudie über Wiederbelebung in der Medizingeschichte. Die Studie lief über vier Jahre, 15 Krankenhäuser in Großbritannien, den USA und Australien nahmen teil.

Werbung
Werbung

Die Studie wurde auf den Namen AWARE getauft, nach den Abkürzungen von „AWAreness during REsuscitation“, was übersetzt „Bewusstsein während der Wiederbelebung“ bedeutet. Untersucht wurden 2 060 Patienten, die in den teilnehmenden Krankenhäusern einen Herzstillstand erlebten, 330 Patienten überlebten die Krise, mit 140 Patienten wurden nach streng wissenschaftlichen Standards Interviews geführt. Demnach gaben 55 Patienten an sich an, sich an Erlebnisse und Gedanken während der Wiederbelebung erinnern zu können.

Die Patienten berichteten nicht nur von dem bereits bekannten hellen Licht und dem dunklen Tunnel, manche hatten auch eine außerkörperliche Erfahrung, sie schwebten dann über dem OP-Tisch und sahen den Rettungsversuchen am eigenen Körper von oben zu. Genau in diesen Fällen gab es erstaunliche Fakten.

Werbung

So erinnerte sich ein Patient an einen kahlköpfigen Arzt, der erst nach seinem Herzstillstand hinzugekommen war. Auch berichtete der Patient von einer Computerstimme, die immer wieder gesagt habe: „Shock the patient, shock the patient“. Wie das Wiederbelebungsprotokoll ergab, war tatsächlich ein automatisches Notfallprogramm angesprungen, das den Ärzten Anweisungen gab.

Der Tod ist ein Prozess

Laut Parnia ist damit belegt, dass der Patient tatsächlich noch drei Minuten nach seinem Herzstillstand Wahrnehmungen hatte, seine Erinnerungen hätten genau mit den realen Begebenheiten übereingestimmt. Parnia folgert aus seiner Forschung, dass das #Sterben kein abruptes Geschehen, sondern ein Prozess ist. Damit sind mögliche Nahtoderfahrungen, von denen so viele Menschen seit jeher berichtet haben, zum ersten Mal wissenschaftlich belegt. Nahtodforscher der „University of Michigan“ bestätigen diese Erkenntnisse. Sie haben ein neuronales Feuerwerk an Gehirnaktivitäten bei Sterbenden gemessen.

Seit Jahren gibt es zum Thema „Organspende“ eine Debatte darüber, ob der Spender bei der Organentnahme wirklich tot ist.

Werbung

Eine Theorie lautet, dass Sterbende durch die Organentnahme getötet werden. Tatsache ist, dass bei manchen Entnahmen die Ausschüttung von Adrenalin gemessen wird, Blutdruck und Herzschlag ansteigen. Die „Toten“ zeigen Reflexe, was besonders Krankenschwestern beim Umbetten auf den OP-Tisch erleben. Die Spender müssen für die Entnahme am OP-Tisch festgebunden werden, um Bewegungen zu verhindern. In der Schweiz erhalten Organspender eine Narkose. In Deutschland wird das Thema klein gehalten, wohl um potentielle Organspender nicht zu verschrecken. Die Forschungsergebnisse der AWARE-Studie dürften die Diskussion neu anheizen.

Tote nach einem Tag wiederbeleben?

Vielleicht können Menschen zukünftig auch längere Zeit nach ihrem Tod wieder zum Leben erweckt werden. Sam Parnia hat erstaunliche Erfolge durch die Kühlung des Kopfes der Patienten erreicht. Er arbeitet im New Yorker „Stony Brook Hospital“ und konnte dort die Überlebensrate der Patienten nach einem Herzstillstand durch die Kühlung von 21 auf 40 Prozent steigern. Parnia geht davon aus, dass es in 20 Jahren Medikamente geben wird, die injiziert werden und dann die Möglichkeit auf Wiederbelebung auf 12 bis 24 Stunden steigern können. „Nennen Sie es #Wiederauferstehung, wenn Sie wollen“, so Parnia. Für ihn sei es allerdings das Ergebnis wissenschaftlicher Wiederbelebungsmedizin. #Nahtoderfahrung