#Farben spielen im Leben der Menschen schon seit grauer Vorzeit eine wichtige Rolle, denn ohne die Fähigkeit Farben zu erkennen, würden wir Gefahren nicht oder erst zu spät bemerken.

Unsere Vorfahren hätten nur sehr schwer erkannt, ob Früchte reif sind und geerntet werden können, oder aber wir würden den Unterschied zwischen giftigen und ungiftigen zu schnell übersehen. Die Welt würde uns grau in grau erscheinen und so hat der Evolutionsdruck uns also dazu gezwungen, unsere Umwelt farblich wahrzunehmen.

Die Eigenschaften der Farben haben sich die Menschen zu allen Zeiten zunutze gemacht. So steht die Farbe Rot für Gefahr oder für Sinnlichkeit und Erotik und wirkt anregend, wohingegen Blau für Kühle und Ruhe sorgt.

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Folgerichtig könnte man nun annehmen, dass eine rote Umgebung unsere Aufmerksamkeit steigert und eine bläulich oder grüne für mehr Ruhe sorgt.

Alles nur ein Irrglaube?

Um dies zu beweisen oder zu widerlegen hat das Team um den Diplompsychologen Christoph Freiherr von Castell et al. 170 Studenten in verschiedenfarbigen Räumen getestet: Intelligenz- und Gedächtnistest.

Das Ergebnis dieser Studie liest sich einfach, denn die unterschiedlichen Farben hatten keine messbaren Effekte auf die kognitive Leistung der Probanden, so die Autoren der Studie. Zwar bestätigte Dr. Daniel Oberfeld-Twistel, einer der Autoren der Studie, eine seiner früheren Studie mit 65 Probanden: Bestimmte Farben hatten durchaus einen messbaren Einfluss auf das Gefühlsleben der Menschen - allerdings ohne Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit.

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Seltsam nur, dass im Abstrakt der neueren Studie von Freiherr von Castell et al.,steht: "Folklore has it that ambient color has the power to relax or arouse the observer and enhance performance when executing cognitive tasks.“

Diese, wie ich finde, etwas ungeschickte Formulierung setzt nämlich voraus, dass diese neue Studie die erste ihrer Art wäre und die bisherigen Erkenntnisse über die kognitive Leistungssteigerung oder -minderung nur ein folkloristisch übermitteltes folkloristisches Wissen darstellt.

Quelle: Color researchand applikation / DOI: 10.1002/col.22168

Konträre Wissenschaft

Das wollte ich doch nun etwas genauer wissen und habe recherchiert.

Eine in der Wissenschaftszeitschrift Science erschienen Studie mit dem Titel “Blue or Red? Exploring the Effect of Color on Cognitive Task Performances“ aus dem Jahre 2009 ergab, dass Rot die Leistung bei detailorientierten Aufgaben steigert, während Blau dies bei kreativen Aufgaben bewirkt, so der Autor Ravi Metha et al. von der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) in seinem Abstrakt in Science.

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In einer der Versuchsanordnungen mussten sich die Teilnehmer vor verschiedenfarbigen Hintergründen innerhalb von zwei Minuten, 36 Wörter einprägen. Dies gelang ihnen vor dem roten Hintergrund am Besten. In einem anderen Versuchsaufbau mussten die Teilnehmer ihre Kreativität mit Bauklötzen unter Beweis stellen, was ihnen vor einem blauen Hintergrund deutlich besser gelang. Es scheint so, dass auf diesem Forschungsfeld, das letzte Wort doch noch nicht gesprochen ist.

Quelle: Science 27 Feb 2009:

Vol. 323, Issue 5918, pp. 1226-1229

DOI: 10.1126/science.1169144 #Forschung