Der Zwang, sich den gesellschaftlichen Konventionen unterordnen, wurde manchen Intersexuellen zu viel. Sie wollten nicht tagtäglich kämpfen und organisierten sich.

Das Verfassungsgericht in Karlsruhe/Berlin antwortete mit einem Beschluss, der am 8. November gefällt wurde. Demnach soll es ab Ende des Jahres 2018 möglich sein, neben "weiblich" und "männlich" ein Kreuz bei „inter“ oder „divers“ zu setzen.

Diskrimierung und Verleugnung

Traurigerweise ist es bisher keine Seltenheit, dass bereits im Kleinkind- oder gar Säuglingsalter schwerwiegende Operationen vorgenommen werden, um Kinder einem Geschlecht eindeutig zu zuordnen.

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Denn es kommt vor, dass bei der Geburt Tendenzen für beide Geschlechter vorhanden sind. Jährlich sind davon 300-500 Neugeborene in Deutschland betroffen, so Sexualforscher Heinz-Jürgen Voß von der Universität Merseburg.

Was bei den genannten Operationen heraus kommt, bestimmen oft die Ärzte - wobei sie sich in den meisten Fällen für das weibliche Geschlecht entscheiden, weil diese Operationen einfacher ist. Die Operationen sind allerdings mit hohen Risiken und Kosten verbunden.

Das Äußerliche lässt anpassen - und die Psyche?

Der/die betroffene Vanja (27) berichtet von jahrelangen Gefühlen der Isolation, Einsamkeit und Depression während der Pubertät, nachdem er/sie in früher Kindheit auf das weibliche Geschlecht umoperiert wurde.

„Automatisch wird man sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen, wenn man zwar als Mädchen vorgestellt wird, jedoch ein androgynes Gesicht hat.

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Wenn einem statt Brüsten in der Pubertät Brusthaare wachsen und man sich innerlich einfach mit keinem der beiden Geschlechter identifizieren kann“, so erzählt Vanja von der Isolation in der er/sie jeden Tag leben musste. Der neue Beschluss, der eine dritte Option ermöglicht, ist für die circa 180 000 Intersexuelle in Deutschland ein erster Lichtblick.

Benachteiligung von Intersexuellen im Alltag

Einerseits existiert natürlich ein Ausschluss von gesellschaftlichen Aktivitäten, wie beispielsweise sämtlichen Sportarten, bei denen man entweder als weiblich oder männlich eingestuft - und dementsprechend bewertet wird. Schwerwiegender sind medizinische Probleme, wie zum Beispiel die Finanzierung der Behebung von negativen Folgen der schwierigen Umoperationen. Ein Skandal, von dem kaum jemand weiß: Intersexuellen Person, die zwar als weiblich registriert ist, jedoch eine Prostata besitzt, werden von der Krankenkasse keine Vorsorgeuntersuchungen für Prostatakrebs bezahlt.

Die Hoffnung der Betroffenen: „Den Menschen bewusst zu machen, dass es auch Personen außerhalb der geschlechtlichen Normen gibt. Und dass sie das gleiche Maß an Toleranz verdienen wie jeder andere“.

Beginn einer Revolution

Daran glauben seit dem 8.

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November 2017 immer mehr. Die Hilfsorganisation für Intersexuelle in Deutschland weist darauf hin, wie viel Einfluss das Geschlecht auf die Entwicklung jeder Persönlichkeit hat - und inwiefern durch den neuen Gerichtsbeschluss Individualität gefördert wird. Betroffene bezeichnen diesen ersten Schritt teils als den „Beginn einer Revolution“. Einer Revolution, deren Ziel es ist, Aufklärung, Toleranz und Respekt für Menschen jeglicher Geschlechter und Einstellungen zu schaffen.

Daran glauben seit dem 8. November 2017 immer mehr. Die Hilfsorganisation für Intersexuelle in Deutschland weist darauf hin, wie viel Einfluss das Geschlecht auf die Entwicklung jeder Persönlichkeit hat - und inwiefern durch den neuen Gerichtsbeschluss Individualität gefördert wird. Betroffene bezeichnen diesen ersten Schritt teils als den „Beginn einer Revolution“. Einer Revolution, deren Ziel es ist, Aufklärung, Toleranz und Respekt für Menschen jeglicher Geschlechter und Einstellungen zu schaffen.

Deutschland als progressives Vorbild für Europa

Deutschland ist das erste Land in Europa, - und außerdem neben Kanada, Australien, Nepal, Indien und einigen Staaten der USA auch eines der ersten weltweit - das daran arbeitet, eine weitere Option neben weiblich und männlich zu ermöglichen.

Trotz immer noch vorhandener Skepsis von Betroffenen, ob dies der Diskriminierung tatsächlich Abhilfe schaffen wird, könnte das ein Schritt in eine Zukunft gegenseitiger Akzeptanz sein. #Depressionen #Intersex #LGBTQ