Vermeintliche Kämpfer der nigerianischen Islamistengruppe Boko Haram haben einem Bericht der BBC zufolge, am Sonntagmorgen dutzende Menschen bei Angriffen auf das benachbarte Kamerun entführt. Viele der Entführungsopfer seien noch Kinder. Mindestens vier Menschen verloren bei dem Versuch ihr Dorf gegen die einfallenden Boko Haram-Kämpfer zu verteidigen, ihr Leben.

BBC berichtet, dass die Dörfer Maki und Mada, im Norden Kameruns gelegen, etwa sechs Kilometer von der nigerianischen Grenze entfernt, Opfer der Überfälle durch Boko Haram wurden.

Die mutmaßlichen Extremisten kamen am frühen Sonntagmorgen und verließen das Land in Richtung Nigeria mit dutzenden Geiseln.

Kameruns Informationsminister Issa Tchiroma Bakary bestätigte die Angriffe. „Sie brannten fast 80 Häuser nieder“, sagte Bakary und erklärte, dass 30 bis 50 Menschen bei den Angriffen entführt worden seien. Eine genaue Zahl könne er nicht nennen, die Untersuchungen seien noch im Gange.

Ein örtlicher Polizeibeamter sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von „60 Geiseln, darunter hauptsächlich Frauen und Kinder.“ Andere Quellen berichten sogar von 80 Entführungsopfern. Darunter 50 Kinder zwischen 10 und 15 Jahren. Kamerun kritisierte, dass Nigeria nicht genug unternehme, um der Bedrohung durch Boko Haram entgegenzuwirken.

Die Extremistengruppe will im Nordosten Nigerias und in angrenzenden Gebieten einen Gottesstaat errichten, sie kontrolliert bereits große Teile des Landes und bedroht die angrenzenden Nachbarstaaten.

Tschad, eines der Nachbarländer Nigerias, sendete vergangenen Freitag Soldaten aus, um Kamerun im Kampf gegen die Dschihadisten zu unterstützen.

Es war nicht die erste Massenentführung

Die Extremisten entführten im April vergangenen Jahres zahlreiche Menschen im Nordosten Nigerias. Darunter mehr als 250 Mädchen aus einer Schule in Chibok. Dieser Vorfall sorgte für eine weltweite Welle der Empörung und löste eine Social Media Kampagne unter dem Hashtag #BringBackOurGirls aus.

Letztes Jahr wurden 27 Menschen von vermeintlichen Boko Haram-Kämpfern in Kamerun gefangengenommen und für Monate festgehalten, bis sie im Oktober frei gelassen wurden. Darunter waren 10 chinesische Gastarbeiter sowie die Ehefrau des kamerunischen Vizepremiermisters Amadou Ali. Die Umstände der Freilassung sind ungeklärt.

Die Islamisten verfolgen ihre Offensive weiter

Anfang Januar veröffentlichte der Anführer der Boko Haram, Abubakar Shekau, ein Video in dem er dem Präsidenten Kameruns Paul Biya drohte: „Oh Paul Biya, wenn Du damit nicht aufhörst, mit Deinem üblen Plan, wirst Du das gleiche zu spüren bekommen, was Nigeria zugestoßen ist. Deine Truppen können gegen uns nichts ausrichten."

Bei einem Angriff am 12. Januar kamen nach Angaben der kamerunischen Regierung 143 Kämpfer der Boko Haram ums Leben. Hunderte der Islamisten seien in Kamerun eingefallen und hätten den Militärstützpunkt Kolofata angegriffen, seien allerdings erfolgreich zurückgeschlagen worden.

Ghanas Präsident John Mahama sprach am vergangenen Freitag von Plänen, endgültig gegen Boko Haram vorgehen zu wollen und, dass ein multinationaler Einsatz in Erwägung gezogen werde. #Terror