Die angebliche Bedrohung des sogenannten Abendlandes durch den #Islam und seine Anhänger ist im Moment eines der großen Themen in der Öffentlichkeit. Mehr als schon vorher kommt das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung wieder auf den Tisch, nachdem in Paris Islamisten Terroranschläge verübt und damit eine Welle von Verhaftungen in ganz Europa ausgelöst haben. Aber einmal ganz abgesehen von radikalen Islamisten, von denen sich die große Mehrheit der Muslime in Deutschland entschieden distanziert, bleibt doch die Frage, inwiefern #PEGIDA mit ihren Behauptungen, der Islam und seine Anhänger gefährdeten Deutschland und seine Gesellschaft, recht hat.

Eine zentrale Sorge der PEGIDA-Anhänger behandelt das Thema, dass unsere Gesellschaft und unsere abendländische Kultur durch immer mehr in Deutschland lebende Muslime gefährdet sei. Obwohl zahlreiche Studien das Gegenteil behaupten, ist es doch einmal lohnenswert, sich die konkreten Sorgen der PEGIDA-Bewegung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei gilt die Prämisse, dass es sich um deutsche oder europäische Bürger handelt, die diese Sorge wirklich teilen, und nicht bloß um solche, die diese offensichtlich vorhandenen Sorgen mancher Menschen zu rechtsextremen und menschenfeindlichen Zwecken nutzen.

Der Großteil der Muslime in Deutschland ist gut in die Gesellschaft integriert, akzeptiert geltendes Recht und ist bereit, sich den hiesigen Gepflogenheiten unterzuordnen. Das belegen Studien, die in letzter Zeit häufig als großes Argument gegen PEGIDA verwendet werden. Doch es lässt sich nicht leugnen, dass mit einer wachsenden Zahl von Muslimen in Deutschland auch die Zahl der radikaleren Muslime zunimmt. Und hier kann - sofern dem nicht von allen Seiten entschieden entgegengetreten wird - ein Problem entstehen, das PEGIDA schon heute als existierendes Problem erkennen will. Eine mögliche - und nicht ganz fern liegende - Entwicklung soll hier einmal aufgezeigt werden.

Dass der Islam, so wie er in den muslimischen Ländern ausgelegt wird, der Rechtsordnung in Deutschland in weiten Teilen entgegensteht, lässt sich nicht leugnen. Werte wie Gleichbehandlung, Pressefreiheit und die Trennung von Kirche und Staat sind in muslimisch geprägten Ländern oft gar nicht oder in nur sehr begrenztem Umfang vorzufinden. Während die überwiegende Mehrheit der Muslime in Deutschland sehr liberal eingestellt ist und sich mit den oben genannten Wertvorstellungen identifiziert, gibt es doch auch solche Ausnahmen, die die in Deutschland geltende Rechts- und Werteordnung nicht anerkennen wollen und statt dessen nach der Scharia und den Grundsätzen des Islams handeln. Solange dies wirklich eine Ausnahme bleibt, braucht in Deutschland niemand Sorgen vor einer Islamisierung, die unsere Werteordnung zerstören oder abschaffen will, zu fürchten.

Ein Problem entstünde dann, wenn radikale Muslime in Deutschland versuchen würden, andere - bis dahin eher liberal eingestellte Muslime - auf ihre Seite zu ziehen. Viele junge Muslime, darüber sind sich Islamwissenschaftler und Experten einig, stehen hier in Deutschland zwischen zwei Welten und haben Probleme, sich in ihrer Selbstfindungsphase klar zu positionieren. Dies ist vollkommen verständlich, haben sie doch häufig Eltern und Großeltern, die noch sehr mit den Wertevorstellungen ihrer Heimat verbunden sind. Doch ist diese Unsicherheit auch gefährlich. Dahingehend nämlich, dass radikale Muslime sie ausnutzen und diese jungen Menschen auf ihre Seite ziehen wollen. Wenn ihnen das gelingt, kann das zu einem großen Problem in Deutschland werden. Denn eine Rechtsordnung sowie eine Werteordnung, funktionieren nur so lange, wie sie die Bürger akzeptieren.

Auch wenn in Deutschland eine Trennung von Staat und Kirche herrscht, kann doch klar gesagt werden, dass unsere Werteordnung - ausgedrückt in der Verfassung und den Gesetzen - von christlichen Wertvorstellungen geprägt ist. Muslime, die den Koran und seine Lehren über alles stellen, die insofern also "radikal" sind, erkennen diese Ordnung nicht an. Sie halten an der Scharia als geltendem Recht fest und sehen sich nicht verpflichtet, den Anweisungen des Gesetzes und seiner Hüter Folge zu leisten. Je mehr sie es schaffen, junge Muslime auf ihre Seite zu ziehen, desto gravierender wird das Problem. Wie aktuell das heutzutage schon ist, sieht man an diversen Gerichtsverfahren, in denen die Angeklagten die staatliche Gewalt nicht anerkennen wollen. Auch die "Scharia-Polizei" steht klar unserer Rechtsordnung entgegen, genauso wie "Schiedsgerichte", die Streitigkeiten unter Muslimen nach islamischem Recht regeln wollen. Diese Eingriffe in die Souveränität unseres Rechtsstaates müssen mit aller Macht unterbunden werden, damit ein geordnetes und friedliches Zusammenleben in Deutschland auch in Zukunft möglich ist.

Was sich anhört wie Schwarzmalerei, kann in naher Zukunft Realität und ein ernstzunehmendes Problem werden. Doch das muss es nicht. Deshalb ist es wichtig, dass Muslime, Christen und jeder Bürger Hand in Hand dafür sorgt, dass Radikale, Extremisten und weitere Störer nicht zum Zuge kommen. Nur so ist es möglich, dass Deutschland als Rechtsstaat mit seiner heutigen - und man darf sagen: gut funktionierenden - Rechtsordnung, um die uns viele Staaten beneiden, weiterhin handlungsfähig bleibt und seine Souveränität in keinster Weise einbüßt. Das kann nicht erreicht werden, indem vorhandene Sorgen durch Rechtsextreme ausgenutzt, Ängste unnötig geschürt und generelle Vorurteile gegen Muslime genährt werden. So wird ein Keil durch Deutschland getrieben, der in keines Menschen Interesse liegen kann und der die Probleme, die unter Umständen entstehen könnten, nur noch verstärken würde.