Die Berliner Polizei  hat am Freitagmorgen bei einem Großeinsatz gegen gewaltbereite Islamisten mehrere Wohnungen in den Stadtteilen Wedding und Moabit durchsucht. Dabei nahmen sie zwei Männer fest, die nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft eine islamistische Extremistengruppe in Berlin-Tiergarten geleitet und eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet haben sollen. Den beiden festgenommenen und drei weiteren türkischen Staatsangehörigen wird die Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen und dafür Kämpfer rekrutiert, fanatisiert und bei der Ausreise nach Syrien geholfen zu haben, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die drei weiteren Verdächtigen sind weiterhin auf freiem Fuß. Die Tatvorwürfe seien nicht schwerwiegend genug, sodass es für einen Haftbefehl reiche. Außerdem bestünde keine Fluchtgefahr.

Durchsucht wurden zwischen 6 Uhr und 10 Uhr elf Wohnungen und ein Moschee-Verein. Es waren insgesamt 250 Beamte und drei Spezialeinsatzkommandos im Einsatz.

Der selbsternannte „Emir“ und „Weisenratspräsident“, Ismet D. (41) und der für die Finanzen zuständige Emin F., (43) sollen eine Gruppe von Extremisten mit vornehmlich türkischer und russischer Staatsangehörigkeit mit tschetschenischer und dagestanischer Herkunft angeführt haben. Außerdem soll Ismet D. eine Gruppe von mindestens 30 Personen mit seinem „Islamunterricht“ radikalisiert und auf den „Heiligen Krieg“ gegen die „Ungläubigen“ in Syrien vorbereitet haben. Wie die Behörden mitteilten, war Ismet D. der Arbeitgeber des im September 2014 festgenommenen Syrien-Rückkehrers Murat S.. Auch ihm wird eine schwere staatsgefährdende Gewalttat zur Last gelegt. Vor seiner Ausreise nach Syrien habe Murat S. regelmäßig am Islamunterricht von Ismet D. teilgenommen.

"Es liegen keine Anhaltspunkte für Anschläge in Deutschland vor."

Ismet D. stand offensichtlich selbst vor der Ausreise nach Syrien. „Wir haben bei den Durchsuchungen Flugtickets für eine solche Reise gefunden und Beschlagnahmt“, sagte ein Polizeisprecher. „Die Ermittlungen werden bereits seit einem Jahr geführt. Auch dieser Einsatz ist seit längerem vorbereitet worden und steht in keinem Zusammenhang mit den Vorfällen in Paris“. Anhaltspunkte für Anschläge in Deutschland lägen keine vor.

Bereits am Donnerstag hatte Generalbundesanwalt Harald Range einen 26-jährigen Deutsch-Tunesier in Wolfsburg lassen. Es besteht der dringende Verdacht, er habe sich bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen und nach der Ausbildung an einer militärischen Offensive teilgenommen. Am Samstag wurde in Dinslaken der 24-Jährige Syrien-Rückkehrer Nils D. festgenommen, der ebenfalls der Terrormiliz IS angehören soll.

Bernd Palenda, Chef des Verfassungsschutzes rechnet nicht damit, dass die Rekrutierung junger Islamisten in Deutschland zurückgeht. "Solange die Terrorgruppe IS in Syrien als siegreiche Struktur von Jugendlichen wahrgenommen wird, so lange kann das eine anziehende Wirkung auf sie haben", sagte er, bereits wenige Tage vor der Aktion am Freitag. 

In ganz Deutschland wird die islamistische Szene auf mehr als 43.000 Anhänger geschätzt. Rund 7000 gelten als Salafisten. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen ist vor allem besorgt über die wachsende Zahl der Dschihadisten, die von in die Kampfgebiete im Irak oder Syrien reisen und dort für den IS kämpfen. Es bestünde das Risiko, dass kampferprobte Rückkehrer in Deutschland aktiv werden, sagte er der "Rheinischen Post". Der Verfassungsschutz geht derzeit von etwa 180 Rückkehrern aus und befürchtet, dass sie in Deutschland Anschläge begehen könnten.