Nach Angaben ukrainischer Behörden, wurden bei Raketeneinschlägen in der ostukrainischen Stadt Mariupol mindestens 20 Menschen getötet und beinahe 100 weitere schwer verletzt. Die Raketen haben ein Wohnviertel in der 500.000-Einwohner-Stadt getroffen und dabei seien mehrere Wohnhäuser und Läden zerstört worden. Die  Stadtverwaltung und die örtliche Polizei machen prorussische Separatisten für den Angriff verantwortlich. Der Separatistenführer Alexander Sachartschenko hatte am Freitag weitere Friedensverhandlungen ausgeschlossen und eine Großoffensive angekündigt. Die Separatisten wiesen zunächst jegliche Anschuldigungen als „Lügen“ von sich. Ihre Kämpfer hätten nach Aussagen der Separatistensprecher mit dem Angriff auf Mariupol nichts zu tun und keine Raketen auf die Stadt abgeschossen.

Sachartschenko egalisierte diese Aussagen allerdings und bekannte sich gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowoski zu dem Raketenangriff. Dies sei der Beginn einer Großoffensive auf die Hafenstadt, sagte der „Präsident“ der selbstproklamierten „Volksrepublik Donezk“. Die Offensive sei die bestmögliche Art, der gefallenen Rebellen zu gedenken

Mariupol ist eine strategisch wichtige Hafenstadt

Mariupol liegt zwischen der von Russland annektierten Halbinsel Krim und dem Separatistengebiet in der Ostukraine. Es ist die letzte von Kiew regierte Stadt in der Region und verfügt über wichtige Industriebetriebe. Über Mariupol könnte die Krim per Schiff versorgt werden und einen Landweg weiter nach Süden ebnen.

OSZE will den Vorfall untersuchen

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat Beobachter nach Mariupol geschickt. Vize-Chefbeobachter, Alexander Hug hatte noch kurz vor dem Raketenangriff die vielen zivilen Opfer beklagt und forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe in Wohngebieten und Städten. Seit April seien nach Schätzungen der UN bereits mehr als 5.000 Menschen gestorben.

Der Vorfall macht eine friedliche Lösung des Konflikts immer unwahrscheinlicher. Seit dem Krisentreffen am Mittwoch in Berlin hat sich die Lage im Bürgerkriegsgebiet verschlimmert. Dutzende Zivilisten verloren seit Mittwoch ihr Leben.

Alexander Turtschinow, Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats in Kiew warf Russland vor, die Separatisten bei dem Angriff auf Mariupol unterstützt zu haben. Russland hatte ähnliche Anschuldigungen bereits in der Vergangenheit zurückgewiesen. #Europäische Union