Die im Sommer 2011 in Betrieb genommene JVA in Wuppertal-Ronsdorf verfügt über eine hohe Anzahl an Sozialpädagogen und Psychologen. Bei diesem Jugendgefängnis handelt es sich um eine sehr moderne Vollzugsanstalt mit 510 Haftplätzen, auf die 300 Bedienstete kommen. Dieses Verhältnis ist für den Jugendstrafvollzug normal. Für die Errichtung dieses neuen Gefängnisses gab es einen sehr traurigen Anlass, nämlich den im November 2011 in der JVA begangenen Foltermord an einem 20-jährigen Insassen, durch seine drei Zimmergenossen. Dieser Vorfall hat neue Diskussionen um Haftbedingungen und Personalmangel in deutschen Gefängnissen entfacht.

Für die JVA in Ronsdorf hat man daraus gelernt: In den meisten Fällen wird eine Zelle nur einfach belegt. Doppelzellen sind selten und wenn diese belegt werden, dann nur nach einer strengen Verträglichkeitsprüfung, die auch regelmäßig erneuert werden muss.

Da die Anzahl jugendlicher Straftaten, wie oben erwähnt eher rückläufig ist, beträgt die Belegung der JVA derzeit nur etwa 85%. Anstaltsleiter Rupert Koch hat dafür neben erfolgreicher Präventionsarbeit noch eine andere, ganz natürliche Erklärung: „Für den Rückgang ist auch die demographische Entwicklung verantwortlich, da die Geburtenrate von 1990-1994 leicht nach unten ging.“ Die Täter mit Migrationshintergrund fielen nicht in diese Statistik, weil sie für den Jugendstrafvollzug meist zu alt seien.

Es gibt einige ganz seltene Fälle, in denen Polizei und Staatsanwaltschaft entsprechend tätig werden und einen Täter aufgrund bereits begangener Straftaten mit Vollendung seines 14. Lebensjahres zu einer Freiheitsstrafe verurteilen. Von den aktuell 317 Strafgefangenen in Ronsdorf sind nur 6 jünger als 16 Jahre und 94 zwischen 16 und 18 Jahre. Dazu kommen noch 100, die in Untersuchungshaft sitzen. Demnach sind also drei Viertel der Inhaftierten volljährig.

Anders als bei Erwachsenen werden nach dem Jugendstrafrecht meist mehrere Delikte zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst. In Ronsdorf bedeutet das, dass 82 Gefangene eine Freiheitsstrafe von 1-2 Jahren zu verbüßen haben und es 46 Jugendliche gibt, die für mehr als zwei Jahre hinter Gittern sitzen.

Aber was bedeutet es, für einen Jugendlichen, seinen Alltag im Gefängnis zu verbringen? Die Unterbringung der Häftlinge ist in mehrere sogenannte „Wohngruppen“ aufgeteilt, von denen es auf der gesamten Anlage insgesamt 30 gibt. Unter einer Wohngruppe kann man einen Zellentrakt verstehen, in dem es zusätzlich eine Küche und einen Aufenthaltsraum gibt, sowie natürlich Räumlichkeiten für das Wachpersonal. Eine Einzelzelle ist in der Regel 10 qm groß. Jede Zelle hat ein eigenes WC und es gibt einzelne, abschließbare Duschen auf dem Flur, so dass auch hier die Privatsphäre der Inhaftierten gewahrt bleibt. Je nach Thema bzw. Name der Wohngruppe gibt es entsprechende Bilder an den Wänden, an einer Stelle ist sogar Tuffi samt Schwebebahn verewigt. Wenn man sich die Gitter vor den Fenstern weg denkt und die dicken Türen außer Acht lässt, könnte man fast denken, man sei in einer Jugendherberge.

Nur ist der Unterschied natürlich der, dass der Tagesablauf in der JVA streng geregelt ist. „Bei jedem Jugendlichen, der zu uns kommt, machen wir erst einmal ein vierwöchiges Diagnostikverfahren“, so Herr Kusch, der stellvertretende Ausbildungsleiter. „Dabei geht es uns darum, den Täter und seine Vorgeschichte kennenzulernen, damit wir genau wissen, welche Maßnahmen wir zu seiner Resozialisierung ergreifen müssen.“

Der morgendliche Aufschluss findet immer um 6 Uhr statt. Nach der Ausgabe des Frühstücks geht es dann in die Schule oder in eine der 18 Werkhallen, zur Arbeit. Die JVA bietet den Häftlingen insgesamt neun unterschiedliche Berufsausbildungen, wie Maler, Elektriker und Mechaniker an. Das Ziel ist eine Vollbeschäftigung der Häftlinge. Die entsprechenden Prüfungen werden dann regelgerecht von der Handwerkskammer abgenommen, so dass im Prüfungszeugnis die Ausbildungsstätte nicht erwähnt wird. „So wird der Insasse nicht für den Rest seines Lebens stigmatisiert. Allerdings gibt es ja Arbeitgeber, die ein Führungszeugnis sehen wollen, dann erfährt man ja schon etwas über die Vergangenheit“, so Kusch.

Nachmittags gibt es dann für jeden Häftling eine Stunde Auslauf auf einem der insgesamt 13 dafür vorgesehenen Höfe, oft mit Basketballkorb. Überhaupt spielt der Sport eine sehr wichtige Rolle in der JVA Ronsdorf. Jeder Inhaftierte kann auf Antrag bis zu drei Stunden die Woche sportlicher Betätigung nachgehen, das Angebot ist breit gefächert und reicht von Fußball über Volleyball, Leichtathletik und Fitness: „Wir haben derzeit 87 Sportgruppen. Die körperliche Betätigung ist für die Jugendlichen das optimale Ventil, wenn dann auch noch der Teamgeist gestärkt wird, um so besser.“

Abends ab 18 Uhr können sich die Insassen dann noch zwei Stunden innerhalb ihrer Wohngruppe frei bewegen, bis ab 20.30 Uhr der sogenannte Einschluss erfolgt. Eine halbe Stunde später muss diese Phase abgeschlossen sein und die Häftlinge sind sich selber überlassen.

In Einzelfällen ist es möglich, auf Antrag einen Hafturlaub zu erhalten, so dass einige Häftlinge das Wochenende bei ihrer Familie verbringen können.

Die Lebensläufe der Jugendlichen, die bei uns landen, ähneln sich schon sehr stark“, so Anstaltsleiter Koch. „Jemand mit abgeschlossener Berufsausbildung ist schon eine absolute Seltenheit, die meisten haben noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss.“ In den meisten Fällen sind es Wiederholungstaten kleiner Delikte, die sich immer weiter aufsummieren, bis der Jugendrichter irgendwann sagt: „Es reicht!“ Bei allen Maßnahmen, die die Bediensteten zur Resozialisierung der Straftäter unternehmen, ist sich Koch bewusst: „Wir können hier nicht innerhalb der durchschnittlichen Haftzeit von einem Jahr aufholen, was in den 20 Jahren vorher schief gelaufen ist.“