Langsam aber sicher beginnt die viel beschworene Einheit der Europäischen Union in der Behandlung der Ukraine-Krise zu schwinden: Mit dem Wahlsieg von Syriza in Griechenland gibt es nun neben Ungarn ein weiteres Land, was in offiziellen Stellungnahmen bereits Verständnis für den Anschluss der Krim an Russland und für die russische Sichtweise geäußert hat.

Frankreich stellt sich quer 

Bedeutender dürfte aber vor allem die langsame Abwendung der Atommacht Frankreich sein, die stark an deren vehemente Opposition zum Irak-Krieg erinnert. Zunächst gab Francois Hollande bekannt, nicht unbedingt für weitere Sanktionen gegen Russland zu sein, mittlerweile sprach er sich auch für weitreichende Autonomie der ostukrainischen Gebiete aus. Sein konservativer Konkurrent Nicolas Sarkozy äußerte sich überraschenderweise noch deutlicher: Die geopolitischen Interessen der USA in der Ukraine deckten sich nicht mit den europäischen. Man könne den Einwohnern der Krim nicht vorwerfen, dass sie sich für eine Rückkehr zu Russland entschieden hätten. Genauso wenig sei es schon ausgemacht, dass die Ukraine eines Tages zur EU gehören werde. Auch der immer einflussreichere Front National positioniert sich klar für eine engere Zusammenarbeit mit Russland. Demnach gibt es in Frankreich derzeit keine einzige politische Kraft, die für die US-Administration akzeptable Positionen in der Ukraine-Krise vertritt.

Kippt nun auch Deutschland? 

Wenn nun also Merkel und Hollande gemeinsam nach Moskau fahren, müssen bei den US-Strategen alle Alarmglocken angehen. Merkel, die sich vor Kurzem auch gegen Waffenlieferungen an Russland ausgesprochen hat, steht nämlich mit ihrer CDU in einer Tradition, die man mit gutem Gewissen als bedingungslos amerikahörig bezeichnen kann. Sollte nun auch sie, aus wirtschaftlichen oder rationalen Gründen einer weiteren Zuspitzung der Ukraine-Krise kritisch gegenüberstehen, wird es schwierig für die USA. Selbst Großbritannien als engster europäischer Verbündeter lehnt "derzeit" Waffenlieferungen ab.

Frust auf der Sicherheitskonferenz

Umso angespannter ist daher die US-Delegation auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Von abfälligen Äußerungen - insbesondere über Deutschland - hinter verschlossenen Türen ist die Rede. Die Reise von Merkel und Hollande wird als "Moskau Bullshit" tituliert; die Europäer bekämen "kalte Füße".

John McCain verglich derweil Putin abermals mit Hitler und die Situation mit der, vor dem Zweiten Weltkrieg. Bereits in der Vergangenheit hatte McCain von "kriecherischen Deutschen" gesprochen und Anti-Kriegs-Demonstranten als "Untermenschen" bezeichnet. Die umtriebige Diplomatin Victoria Nuland schlug derweil vor, die Europäer "rhetorisch zu bekämpfen" und statt von Waffenlieferung, von der Lieferung von "Defensivsystemen" zu sprechen.

Die Amerikaner sind langsam ratlos 

Insgesamt überwiegt aber vor allem eines: Ratlosigkeit. Langsam aber sicher spürt auch die europäische Wirtschaft die Folgen der Russland-Sanktionen und in zahlreichen Ländern gibt es eine große, eher pro-russische Opposition zur offiziellen NATO-Politik in der Ukraine. Gut möglich also, dass Putins Plan in der Ukraine aufgeht. Ob er es dabei bewenden lässt oder doch weitere Gebiete destabilisiert, wird zeigen, ob die Amerikaner richtig oder falsch lagen. #Europäische Union