Mit einem Ergebnis von 7,4% hatte die FDP rund um ihre Spitzenkandidatin Katja Suding bei der Wahl in Hamburg allen Grund zum Jubeln. Parteichef Christian Lindner legte viel Hoffnung in die Bürgerschaftswahl und Frontfrau Suding. Schon im September 2014 sprach er von einer möglichen "Eisbrecher-Wahl", die richtungsweisend für die Liberalen sein könnte. Erklärtes Ziel: der Wiedereinzug in den Bundestag 2017.

Seit dem knappen Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2013 ist die Hamburg-Wahl der erste Erfolg für die Liberalen. In Sachsen, Brandenburg und Thüringen flogen sie aus den Landesparlamenten. Die FDP war konsterniert, Ernüchterung machte sich breit. Es fehlte das passende Rezept aus der Krise und die Umfragewerte waren im Keller. Während sich mit der AfD eine eurokritische Partei zunehmend auf die Bildfläche drängte, schien die FDP immer mehr von derselben zu verschwinden. Die Frage ist nun, ob die Liberalen den jüngsten Erfolg in kommenden Landtagswahlen und auf Bundesebene weiterführen und wieder ein ernsthafter Gegner im politischen Machtgefüge werden können oder, ob die Hamburger Wahl eher einem Zwischenhoch gleich kommt. 

Katja Suding holte Hamburger FDP aus Umfrage-Tief

Die 39-Jährige PR-Beraterin Suding trat 2006 in die FDP ein. Ein rasanter Aufstieg folgte. Schon 2011 wurde sie zur Spitzenkandidatin in Hamburg erkoren und führte die Liberalen zurück in die Bürgerschaft, mit 6,7% das beste Ergebnis seit 1974. Im Juli 2014 wurde sie erneut zur Spitzenkandidatin für Hamburg aufgestellt, im November 2014 mit 70,6% zur neuen Landesvorsitzenden gewählt. Zu diesem Zeitpunkt vegetierte die Partei in Hamburg bei aussichtslosen 2%. Doch Suding schaffte das scheinbar Unmögliche und steht nun als Gewinnerin da. Zu verdanken hat sie das unter anderem einem auf sie zugeschnittenen, sehr wirksamen Wahlkampf. Beim klassischen Dreikönigstreffen im Januar diesen Jahres wurde der Partei ein neuer Anstrich verpasst und das neue Logo der "Freien Demokraten" präsentiert. Mit dem rege diskutierten Bein-Schwenk der Tagesschau erreichte Suding erstmals deutschlandweite Bekanntheit, die FDP war wieder auf der Bildfläche. Auf den Wahlplakaten präsentierten die Liberalen sich ungewöhnlich frech und ironisch. Neben Katja Suding stand groß der Slogan: "Unser Mann für Hamburg." Die PR-Frau Suding verstand es, sich öffentlichkeitswirksam zu zeigen und für Gesprächsstoff zu sorgen. Steigende Umfragewerte gaben ihr Recht.

Kritik an Sudings "PR-Maschinerie"

Sowohl im Vorfeld als auch nach der Wahl wurde genau dieser Punkt Suding und ihrer Partei vorgeworfen. Der Wahlkampf sei inhaltsarm und auf Suding reduziert, geführt worden. ZEIT Online schrieb beispielsweise folgendes: "In Hamburg fiel die FDP nicht gerade durch inhaltliche Akzente auf. Wohl aber durch ihre Spitzenkandidatin." Der Grünen-Politiker Jörg Rupp twitterte: "muss man sich mal vorstellen: mit Titten und Beinen anstatt Inhalten." Obgleich Rupps Entschuldigung darauf völlig richtig war, so ist doch die allgemeine Tatsache, dass die Spitzenkandidatin eine äußerst wichtige Rolle gespielt hat, nicht verwegen. Laut einer Analyse des ZDF-Politbarometers sind 58% der Hamburger Bürger der Meinung, die FDP habe es nur wegen Suding in die Bürgerschaft geschafft, 29% gaben die Inhalte der Partei als Grund an. Eine zunehmende Personalisierung der Parteien ist aber nicht nur bei der Hamburger FDP zu finden, sondern wird allgemein im Ringen um Wählerstimmen und -akzeptanz immer wichtiger.

Mediale Aufmerksamkeit für die FDP sehr bedeutend 

Zwei wichtige Punkte darf man bei dieser Diskussion allerdings nicht außer Acht lassen. Erstens kann man Katja Sudings Wahlerfolg nicht nur auf ihr Äußeres reduzieren. Sie trat überzeugend auf, war kompetent und legte Wert auf inhaltliche Aspekte, beispielsweise im Bereich Wirtschaftspolitik oder Bildung. Hinzu kommt eine schwächelnde CDU, die mit 15,9% ein enttäuschendes Ergebnis hinnehmen musste. Allein 9000 Stimmen erhielt die FDP von ehemaligen CDU-Wählern. Zweitens muss man die derzeitige Situation der FDP ins Blickfeld nehmen. Diese befindet sich auf Bundesebene aktuell in der außenparlamentarischen Opposition und ist infolgedessen für die tagespolitische Berichterstattung der Medien meist irrelevant. Im politischen Wahlkampf ist die mediale Öffentlichkeit jedoch von immenser Bedeutung. Will eine Partei wie die FDP auf die Medienagenda, so muss sie Aufmerksamkeit erzeugen. Dies gelingt heutzutage, auch wenn dies bedauerlich sein mag, eher durch PR-Coups als durch gute, qualitative Beiträge und Inhalte. Zu ihrem Wahlplakat äußerte sich Suding in einem Interview mit Focus Online beispielsweise folgendermaßen: "Es ist der Auftakt einer Kampagne, über die zunächst einmal geredet werden soll. [...] Die weiteren Motive werden dann unsere inhaltlichen Kernbotschaften vermitteln."

Eines ließ die Hamburg-Wahl jedenfalls erkennen. Gute Inhalte in der Politik sind wichtig. Doch bedeutsamer denn je ist, wer diese Inhalte transportiert. Sei es Katja Suding, die ihrer Partei zum Durchatmen verholfen hat oder Olaf Scholz (SPD), der mit hohen Sympathiewerten in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt wurde. Die FDP selbst hat ihr Lachen wiedergefunden. Nun wird sich zeigen, ob sie auf dem Erfolg aufbauen, sich auf Bundesebene profilieren und für den Wähler interessant machen kann. Parteichef Lindner sieht seine Partei "auf dem richten Weg", doch bleibe er auf dem Teppich. Schon im Mai stehen die Liberalen bei der Landtagswahl in Bremen vor der nächsten Herausforderung. Ob "Eisbrecher-Wahl" oder nicht. Katja Suding hat eindeutig gezeigt, dass die FDP noch am Leben ist und ihr neues Selbstbewusstsein für zukünftige Aufgaben gegeben. #Wahlen