Nach 957 Tagen des Winterschlafs wurde die Raumsonde "Rosetta" wieder zum Leben erweckt und begann ab dem 6. August 2014 den Anflug auf den Kometen "Tschurjumow-Gerassimenko". Rosetta legte dabei nicht weniger als 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück, nur um ein 3,5 Kilometer breites Ziel zu treffen. Dies war nicht nur eine der schwierigsten Unternehmungen der ESA, sondern gleichzeitig ein Meilenstein in der Geschichte der Weltraumfahrt. Wäre da nicht Dr. Matt Taylor und sein T-Shirt.

"Rosetta-Forscher trägt Hemd mit halbnackten Frauen"

Dr. Matt Taylor ist, wie man heute sagen würde, ein Hipster-Wissenschaftler. Die Bilder auf seinen sozialen Netzwerken zeigen ihn als tätowierten Mann, mit langem Bart, der eher an einen Rocker erinnert, als an einen Wissenschaftler. Er ist der Projektleiter der ESA-Mission, und für den TV-Auftritt der ersten Live-Übertragung von der gelandeten Raumsonde, wählte er ein ganz besonderes T-Shirt. Eine Collage von halbnackten Comic Damen, in 80er Jahre Actionfilm-Manier. Nun, es lässt sich darüber streiten ob das Hemd für so einen förmlichen Anlass mit ungeheurer medialer Aufmerksamkeit angemessen war. Was jedoch völlig außer Frage steht ist, dass Dr. Taylor ein Sexist ist. Das Shirt war nämlich ein Geburtstagsgeschenk seiner Freundin Elly Prizeman. Diese Tatsache, welche den Vorwurf des Sexismus an sich schon entkräften würde, wurde in der Zeit danach völlig außer Acht gelassen.

Innerhalb weniger Stunden brach ein Shitstorm  im Internet gegen Dr. Matt Taylor und sein Shirt aus. Von Frauenfeindlichkeit in der Wissenschaft war die Rede, Frauen seien bei der ESA unerwünscht, meinte man. Dieser Shitstorm war völlig unproportional zum Vergehen. Doch nachdem sich Dr. Matt Taylor unter Tränen für sein Hemd entschuldigt hatte, kam die prompte Antwort. Ein zweiter Shitstorm machte die Runde. Diesmal waren die Feministen Ziel der Internethetze. Die Jäger wurden die Gejagten.

Die radikalen Feministen erzeugen mit ihren provokativen und unverhältnismäßigen Aktionen ein Klima der Abneigung und Verständnislosigkeit.

Dr. Matt Taylor war nicht der Erste, der den Hass der Feministen zu spüren bekam. Seit der Gründung der Feministengruppe "Femen" 2008, wurden die Methoden und Proteste radikaler Feministen-Gruppen immer radikaler. So kursierten Bilder von Bücherverbrennungen frauenfeindlicher Literatur durchs Netz und die Femen stürmten all zu häufig harmlose Talkshows, um auf einen Missstand hinzuweisen (Eine Bekämpfung der Missstände hat das eher selten zur Folge). Der Hintergrund der Aktionen, der wirklich ein ernstes globales Problem darstellt, geht zwischen nackten Talkshow-Stürmern und gnadenlosen Internet Shitstorms verloren. Und das ist die eigentliche Gefahr für den Feminismus! Gleichberechtigung kann nicht erzwungen werden, sie muss viel mehr von der gesamten Gesellschaft als notwendig angesehen werden und im Dialog und Konsens Schritt für Schritt durchgesetzt werden. Können die radikalen Feministen durch anschlagsartige Übergriffe auf Fernsehshows die breite Masse mobilisieren und zu einem Umdenken führen? Wohl kaum. Vielmehr gefährden sie Jahrhunderte des Feminismus, dessen Errungenschaften hart erkämpft wurden. Während vor einigen Jahren noch die Internet Aktion #aufschrei versuchte Sexismus im Alltag aufzudecken und zu bekämpfen, stürzt man sich heute auf banale Kleinigkeiten und unbedeutende Fehltritte, anstatt die wahren Probleme gezielt zu behandeln und zum Fokus von Diskussionen zu machen. 

Ich sage: Schluss mit der unnötigen Hexenjagd gegen vermeintliche Sexisten! Konzentrieren wir uns lieber darauf, die Gleichberechtigung Schritt für Schritt im Dialog zu erzielen.   #Fernsehen