Was war es in den letzten Wochen bloß für eine Schlammschlacht: Interne Emails aus dem Dunstkreis der AfD-Führung gelangen an den SPIEGEL, Bernd Lucke beruft eigenständig eine Kreisvorsitzendenversammlung ein, wird prompt selbst von Alexander Gauland und Frauke Petry vorgeladen und tausende Zusagen drohen den Parteitag zu einer Chaos-Veranstaltung werden zu lassen.

Was sich dann dieses Wochenende in Bremen ereignete, war erstaunlich gesittet und ruhig für die in so viele Flügel und Gruppen unterteilte Alternative. Der wohl größte Parteitag der Nachkriegsgeschichte wurde wider der Erwartungen nicht von Anträgen zur Geschäftsordnung und langatmigen Referaten gesprengt. Markus Wegner, ehemals Gründer der "Statt-Partei", rief mit seinen zahlreichen Anträgen derartigen Unmut der Teilnehmer auf sich, dass auch die gut 70 anderen Anträge mit einem Handstreich ad acta gelegt wurden.

Nach Luckes - entgegen vorheriger Ankündigungen doch ohne Ausschluss der Medienvertreter gehaltener - Rede zum Entwurf einer neuen Satzung, die ab Ende des Jahres nur noch einen Vorsitzenden, unterstützt von einem weisungsabhängigen Generalsekretär vorsieht, schien die Stimmung aber doch noch zu kippen. Konrad Adam und Frauke Petry gingen hart mit Lucke ins Gericht und verteidigten entschieden die von ihm gerade noch bestrittene Effizienz des bisherigen Drei-Sprecher-Modells der Partei. Auf Grund einer medial kolportierten Verständigung des AfD-Dreigestirns im Vorfeld des Parteitages, war ein so offener Schlagabtausch nicht erwartet worden. Die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für den neuen Satzungsentwurf wurde immer fraglicher.

Doch dann die Überraschung: Die Satzung wurde denkbar knapp mit 67,5 Prozent verabschiedet, Lucke hat sich durchgesetzt. Ob damit die Konflikte innerhalb der AfD-Spitze dauerhaft beigelegt sind, darf allerdings bezweifelt werden. In zwei Wochen wird in Hamburg gewählt: Es steht der erste Landtagseinzug in einem westdeutschen Bundesland zur Debatte, was eine weitere Stärkung des liberalen Flügels, dem auch Lucke angehört, bedeuten würde.  #Wahlen