Die Nachricht traf Japan wie ein Schock: Samstagabend veröffentlichte die Terrororganisation "Islamischer Staat" ein Video, in dem die Hinrichtung des in Japan sehr beliebten Journalisten Kenji Goto gezeigt wird.

Goto war im Oktober des letzten Jahres nach Syrien gereist, um sich dort für die Freilassung des ebenfalls japanischen Sicherheitsexperten Haruna Yukawa einzusetzen, der im vergangenen Jahr vom Islamischen Staat verschleppt und dessen Tod bereits vor einer Woche von den Terroristen bestätigt wurde.

Goto reiste seit Jahren in die Krisenregionen dieser Erde, um über Armut, Krieg und Aids zu berichten. Große Beliebtheit verschaffte dem freien Journalisten der Umstand, dass er seit jeher den Fokus seiner Berichterstattung auf das Leid der Kinder legte und fast nie einseitig Partei ergriff. Der erst vor wenigen Wochen zum dritten Mal Vater gewordene Journalist verfasste noch vor seiner Abreise eine Videobotschaft, in der er erklärte, dass, "egal was passiert", er "das syrische Volk immer lieben" werde. Auch seine trauernde Frau betonte, dass sie nicht wolle, dass aus dem Tod ihres Mannes neuer Hass erwachse. Kenji Goto zog seine unerschütterliche Liebe und Kraft aus seinem christlichen Glauben, zu dem er 1997 konvertierte.

Die japanische Regierung hatte sich während der monatelangen Gefangenschaft Gotos massiv für dessen Freilassung eingesetzt. Gotos Frau veröffentlichte ein Video, in dem sie die Terroristen um Gnade anflehte: Ohne Erfolg.

Der Islamische Staat hatte die Freilassung der Terroristin Sajida al-Rishawi und die Zahlung von 200 Millionen US Dollar im Gegenzug gefordert. Im Hinrichtungsvideo griff er Premier Abe für dessen Beteiligung am Kampf gegen die Terroristen scharf an und warf ihm eine "satanische Koalition" mit den westlichen Nationen vor.

Japan hatte bis 2014 eine streng pazifistische Verfassung und unterhielt kaum militärische Einrichtungen. Zunehmende Spannungen mit dem Nachbarn China und die politische Großwetterlage veranlassten die Regierung Abe jedoch zu einem Kurswechsel. Die Betroffenheit vom internationalen Terrorismus trifft das ethno-kulturell homogene Land, in dem selbst gewaltsame Demonstrationen absolut unbekannt sind, ins Mark. Premier Abe bezeichnete die Tat als abscheulich und kündigte an, dass Japan weiterhin mit internationalen Partnern daran arbeiten werde, dass die Terroristen für ihre Sünden bezahlten.

Der Islamische Staat scheint angesichts weiter steigendem Repressionsdruck für seine Unterstützer in westlichen Ländern auch Anschläge in Japan in Erwägung zu ziehen. In der Videobotschaft wird Japan mit "einem großen Unheil" bedroht, sollte es den Kampf gegen den Terrorismus nicht aufgeben. #Terror #Islam