Anhänger von Bagida, einem Ableger der selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (#PEGIDA) gingen auch diesen Montag in der bayrischen Landeshauptstadt München auf die Straße. Patriotismus an sich war in Deutschland aufgrund der eigenen Geschichte und der Vereinnahmung des Begriffs durch die Nationalsozialisten lange ein Unwort. Wer sich offen dazu bekannte, sein Vaterland zu lieben oder stolz auf die eigene Nationalität zu sein, musste oft mit harscher Kritik rechnen. Hinzu kommt, dass erst mit der Widervereinigung ein einheitlicher Nationalstaat in Deutschland hergestellt wurde. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern werden wir Deutschen in diesem Thema immer befangen sein. Doch der Umgang wird insgesamt lockerer. Ereignisse wie die Fußball-WM 2006 im eigenen Land oder der WM-Gewinn 2014 in Brasilien demonstrierten einen großen Zusammenhalt der Deutschen. Es war ein Meer aus Schwarz-Rot-Gold, das die Straßen Deutschlands an jenem Abend des 13. Julis 2014 säumten, die ganze Nation feierte Jogis Jungs. Niemand hätte die Fans als Nationalisten oder Nazis bezeichnet. Es war eher ein positives, unbefangenes Wir-Gefühl.

Bewegung nimmt nationalistische Züge an

Mit der Pegida-Bewegung wurde die Diskussion neu entfacht. Menschen, die sich selbst als Patrioten bezeichneten, demonstrierten gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes. Mit dem Begriff des Patriotismus assoziierte man zunehmend ausländerfeindliche Äußerungen, besonders gegenüber den muslimischen Mitbürgern in unserem Land. So sehr tausende Menschen vor einem Jahr mir ihren Fahnen der deutschen DFB-Elf zujubelten, so sehr spalteten dieselben wehenden Fahnen bei den Demonstrationen der vergangenen Wochen das deutsche Volk. Es ist das Recht jedes Bürgers, seine Meinung zu äußern oder zu demonstrieren. Dies steht hierbei nicht zur Debatte. Doch was beispielsweise die Organisatoren von Bagida in ihren Reden verlauten ließen, ist keineswegs nur die reine Äußerung der Sorgen der Menschen. Das Bild der islamistischen Terroristen wird auf die gesamte muslimische Bevölkerung übertragen. Die Angst vor dem Islam wird geschürt und die Anhänger werden zur aktiven Mithilfe zur Eindämmung des Islams aufgerufen. Dieser sei schließlich gefährlich und man müsse dagegen ankämpfen. Gegenüber der angeblichen Lügenpresse und der Politik erheben sie Vorwürfe der Vergewaltigung der Wahrheit und des Verschweigens der wichtigen und ihrer Ansicht nach richtigen Fakten. Birgit Weißmann, die Organisatorin von Bagida, appellierte auch diesen Montag wieder an den Zusammenhalt der Bewegung. Doch diese gerät immer mehr ins Straucheln. Nur noch rund 350 (Vorwoche 850) Demonstranten nahmen den Weg zum Goetheplatz auf sich, um für ihre Überzeugungen öffentlich einzutreten. Im Rest Deutschlands sieht es ähnlich schlecht für die Bewegung aus. Bagida versucht wie Pegida die Menschen gegen den Islam zu solidarisieren und grenzen dabei den muslimischen Bevölkerungsteil aus. Nicht selten lassen sich dabei deutschlandweit auch Neonazis unter den Demonstranten finden. #Rassismus und Ausgrenzung hat nichts mit Patriotismus, sondern eher mit gefährlichem Nationalismus zu tun, bei dem der Islam als Religion schlecht gemacht und herabgewürdigt wird.

Widerstand gegen Islamfeindlichkeit ist stark

Dass so etwas in einem Land wie Deutschland nichts zu suchen hat, zeigten Woche für Woche tausende Gegen-Demonstranten. Ausländerfeindlichkeit gehört nicht zu Deutschland, Flüchtlinge sind willkommen, München ist bunt", stand auch diesen Montag wieder auf den Plakaten und Bannern der Münchner NoBagida-Demonstranten. Sie treten ein für ein offenes und tolerantes Deutschland, welches andere Kulturen und Religionen akzeptiert, aufnimmt und integriert. An einer Demonstration hielt ein Bagida-Demonstrant ein Plakat mit der Aufschrift eines bekannten Zitates von Bertolt Brecht hoch: Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Im Unrecht sind sie allerdings selbst, wenn sie unsere muslimischen Mitbürger ausgrenzen wollen und dabei verbal attackieren.

Pegida wollte andere isolieren und hat sich im Endeffekt selbst isoliert. Gleichzeitig zeigte sich wie groß der Zusammenhalt in Deutschland gegen Ausländerfeindlichkeit und solche Strömungen ist. Niemand hat etwas gegen etwas Patriotismus bei einer Fußballfeier. Doch wenn dieser zu Nationalismus umschlägt, wird für viele Menschen Widerstand zur Pflicht, nicht nur in München. Die Frage ist, ob, und wenn ja, wie lange sich die Pegida-Bewegung insgesamt noch halten kann. Eines ist jedenfalls sicher: Nationalismus hat keinen Platz in Deutschland und die Menschen werden sich auch weiterhin dagegen wehren. Ein Hoch auf die internationale Solidarität.