In der AfD rumort es. Schon seit längerem sind sich die Mitglieder nicht darüber einig, wohin die Reise gehen soll. Im Zuge der Auseinandersetzungen wurden zwei Richtungspapiere formuliert, die "Deutschland Resolution" und die "Erfurter Resolution". Nach Versöhnung sieht es derzeit bei der AfD nicht aus. Doch der Reihe nach.

Wir erinnern uns: Für die Alternative für Deutschland (AfD) begann alles wie ein schönes Märchen. Kaum gegründet im September 2012 (zunächst noch unter dem Namen "Wahlinitiative 2013") fand die Partei so viel Zuspruch für ihren euro- kritischen Kurs, dass sie bei der Bundestagswahl 2013 aus dem Stand heraus nur knapp an der 5-Prozent-Hürde für den Einzug in den Bundestag scheiterte. Dafür gelang es ihr bei der Europawahl 2014 erstmals, Mandatsträger benennen zu dürfen. Es schien eine rosige Zukunft auf die AfD zu warten. Heute sieht die Sache anders aus.

Ein Programm für den Bierdeckel

Es war der CDU-Politiker Friedrich Merz, der im Jahr 2003 Aufsehen mit einem Steuerkonzept erregte, das "auf einen Bierdeckel" passen sollte. Wie wir wissen, wurde daraus nichts. Das Programm, mit dem die AfD 2013 zur Bundestagswahl antrat, war auch nicht viel umfangreicher. Es bestand aus nur wenigen Sätzen und hatte einen klaren Schwerpunkt: Die Kritik am Euro. Allerdings dauerte es nicht lange, bis die AfD sich mit der Nähe zu rechten Parteien und Bewegungen auseinandersetzen musste. Damit begann im Grunde schon der Abstieg der Partei, denn einerseits wehrte Parteichef Bernd Lucke sich gegen Vorwürfe, die AfD sei rechts. Andererseits distanzierte er sich nicht so klar und deutlich, dass die Diskussionen ein für allemal beendet werden konnten. Der Richtungsstreit begann also faktisch schon sehr früh innerhalb der AfD.

Bernd Lucke hat Angst

Zu Beginn der Zeit der AfD schien es, als sei Chef Bernd Lucke ein Fels in der Brandung. Ein Mann, der alles im Griff hat und von seinen Anhängern geschätzt wird. Doch das Blatt hat sich gewandelt und im Richtungsstreit ist es Lucke nicht gelungen, eine Einheit innerhalb der Partei zu schaffen. Nun prescht er weiter vor und will im Dezember zum alleinigen Parteivorsitzenden gewählt werden. Bislang teilte er sich diese Rolle mit Konrad Adam und Frauke Petry. Letztgenannte übt nun besonders laut Kritik an Lucke und erwartet ein klares Bekenntnis von ihm.

Und dann sind da ja noch die beiden Richtungspapiere, die "Erfurter Resolution" und die "Deutschland Resolution". Sie machen die ganze Angelegenheit nicht gerade einfacher.

Lagerkämpfe

Die Erfurter Resolution wendet sich klar gegen Parteichef Bernd Lucke und wurde von Björn Höcke (AfD-Landessprecher Thüringen) und André Poggenburg (Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt) initiiert. Die Resolution bemängelt, dass die AfD sich zu stark den etablierten Parteien annähere und kritisiert, dass die AfD sich nicht offener zu Bewegungen wie "PEGIDA" bekennt.

Die Richtung der Anhänger der Erfurter Resolution ist klar: Man sehe die Partei als "grundsätzliche, patriotische und demokratische Alternative", sei gegen "Multikulturalismus" und "Gender-Mainstreaming" und stehe gegen eine "Aushöhlung der Souveränität Deutschlands".

Offenbar bemüht, nicht weiter nach rechts abzudriften, formulierten Parteimitglieder wie Olaf Henkel, Joachim Starbatty und Ulrike Trebesius daraufhin die Deutschland Resolution. Henkel betonte in diesem Zusammenhang, dass die Erfurter Resolution nichts anderes als ein Versuch sei, die AfD zu spalten. Er sprach eine Warnung gegen "spinnerte völkische Ansichten" und Antiamerikanismus aus.

Mittendrin Bernd Lucke, der bemüht ist, Ruhe in die Partei zu bringen und sich dabei so ungeschickt verhält, dass der innerparteiliche Wind weiter zunimmt.

Ja, was denn nun?

Auf der einen Seite wurde die Deutschland Resolution als offensiver Gegenentwurf zur rechtslastigen Erfurter Resolution verfasst. Auf der anderen Seite kratzt man sich als Außenstehender verwirrt den Kopf, wenn man liest, dass für Bernd Lucke "Themen wie Zuwanderung, Integration und Islam" nach wie vor wichtig seien. Worin sich die beiden Lager der AfD konkret unterscheiden, erschließt sich nicht wirklich.

In jedem Fall bröckelt es bei der AfD sowohl oben als auch unten. Die Parteibasis ist gespalten und weiß nicht recht, wohin sie will. Die Führungsspitze dagegen haut sich gegenseitig die Zähne ins Fleisch. Frauke Petry jedenfalls attestiert dem Parteivorstand und somit auch Bernd Lucke "Verbesserungspotenzial und Luft nach oben", was die Zusammenarbeit betrifft. Lucke müsse nun beweisen, dass er zur Teamarbeit fähig sei.

Inwiefern die AfD allerdings überhaupt noch ein Team darstellt, darf infrage gestellt werden.

"Konrad Adam, Frauke Petry und Bernd Lucke 2013" von Mathesar - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons