Das politische Deutschland streitet nun schon seit Monaten darüber: Ist Deutschland ein Einwanderungsland? Und wenn ja, welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Feststellung?

Deutschland ist vor allem Auswanderungsland 

Eine andere gesellschaftliche Veränderung findet im politischen Diskurs hingegen überhaupt keinen Platz: Der Umstand, dass Deutschland längst zu einem Auswanderungsland geworden ist. Während das internationale Prekariat vom Schlaraffenland Deutschland als neuer Heimat träumt, verlassen immer mehr Deutsche und auch Ausländer die Bundesrepublik wieder: 2013 haben Deutschland 789.000 Menschen den Rücken gekehrt, was ungefähr der Population von Frankfurt am Main entspricht. 

Die Leistungsträger gehen 

Darunter befinden sich auch 130.000 Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft und damit nicht nur in ihre Heimat zurückkehrende Ausländer. Doch wer verlässt das Schlaraffenland-Deutschland freiwillig, in dem man ohne zu arbeiten ein Leben auf Kosten anderer führen kann, von dem 95 Prozent der Weltbevölkerung nur träumen können? Es sind anscheinend vornehmlich diejenigen, die diesen Luxus bezahlen müssen: Akademiker und Leistungsträger. Laut statistischem Bundesamt sind die Auswanderer deutlich jünger als die Durchschnittsbevölkerung, stammen oftmals aus bildungsnahen Elternhäusern und haben deutlich höhere Bildungsabschlüsse. 70 Prozent von ihnen gelten als hochqualifiziert. Erschreckend, gelten doch laut Bertelsmann-Studie im Gegenzug nur 43 Prozent der neu eingewanderten Menschen als hochqualifiziert. Unterm Strich steht damit ein jährlicher Verlust an Wohlstand und Qualifikation, der für eine alternde Nation dramatisch ist.

Deutschland erzieht zum Auswandern 

Schuld daran ist wohl auch, dass insbesondere in der #Schule und im Studium jungen Menschen das Auswandern regelrecht ans Herz gelegt wird. Ein modernes Studium ist ohne mehrmonatigen Auslandsaufenthalt kaum noch abschließbar, in der Schule stehen Austauschprogramme hoch im Kurs und auf dem Arbeitsmarkt wünschen sich die Unternehmer einerseits heimische Fachkräfte, andererseits aber auch Personal, dass bereits im Ausland Erfahrungen gesammelt hat. Ein Teufelskreis.

Ungarn machts vor

Wie man ein Abwanderungsproblem besser lösen kann, zeigt derweil Ungarn. Dort ist das Problem der wegziehenden Jugend noch wesentlich ausgeprägter. Die Orban-Regierung hat nun jedoch beschlossen, dass wer ein staatlich finanziertes, ingesamt um die 100.000 Euro teures Studium abschließt, verpflichtend einige Jahre in Ungarn leben, arbeiten und Steuern zahlen muss. Ansonsten muss das Studium voll bezahlt werden. Eine gerechte Lösung für eine Generation, die auf kostenlose Ausbildung pocht und nach 25 Jahren des Abkassierens die Segel streicht, um sich in einem anderen Staat zu verdingen. 

Auch in Deutschland besteht noch ein Hoffnungsschimmer: 40 Prozent der Auswanderer geben an, später einmal wieder zurückkehren zu wollen.