Nach der Einstellung des Kinderpornographie-Verfahrens gegen den ehemaligen SPD-Politiker #Sebastian Edathy schlug eine Welle der Empörung in der deutschen Öffentlichkeit hoch. Sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in den Medien wird nun über die Rechtmäßigkeit und Moral dieser Entscheidung diskutiert, sogar Til Schweiger schrieb einen wie erwartet populistischen Kommentar, in welchem er die Vorgehensweise des Gerichts und Edathy selbst scharf kritisiert. Der Fall Edathy - er polarisiert und eskaliert zur Zeit.

Edathy selbst betreffend gibt es wohl nur eine mögliche Taktik, um sich der geballten Wut der Bevölkerung zu entziehen - abwarten und sich im Ernstfall auf die Entscheidung des Gerichts berufen. Könnte man meinen, doch der ehemalige Politiker entschied sich für eine durchaus überraschende andere Vorgehensweise, schenkt man den Meldungen seiner Facebook-Seite Beachtung. 

Dort, so erhält man den Eindruck, erfährt man über einen anderen Sebastian Edathy, einem Opfer einer medialen Hetzjagd, einem Unschuldigen, der unfreiwillig in einen einsamen Kampf gegen die so übermächtige Vierte Gewalt verwickelt wurde. Eine Äußerung des ehemaligen Kollegen und stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Ralf Stegner wird hier als infam abgetan, die Recherche der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" als haltlos spekulierend bezeichnet und die gesamte Berufsgruppe der Journalisten mithilfe eines Mark Twain-Zitates in ein lächerliches Licht gerückt. Zur Auflockerung werden seine erstaunlich zahlreichen Befürworter mit Katzenbildern und Anekdoten unterhalten.

Edathy mag zwar politisch nichts mehr zu sagen haben, doch man darf nicht vergessen, dass er innerlich dennoch Politiker geblieben ist - der Herr weiß, wie man einen Wahlkampf führt und nichts anderes ist seine Selbstdarstellung auf Facebook. Liest man länger in seinen Beiträgen, ertappt man sich selbst dabei, an seiner Schuld zu zweifeln. Gerade in Zeiten der "Lügenpresse"-Rufe haben die Medien einiges an Prestige verloren und dies weiß der ehemalige SPD-Innenpolitiker auszunutzen.

Mit seiner Inszenierung als Opfer von Staat und Presse bietet er Verschwörungstheoretikern ein willkommenes Fressen - was auf beide Seiten zutrifft. Nicht nur seine Unterstützer nutzen seine Statusmeldungen, um ihre eigene Vorstellung einer korrupten Politik- und Medienlandschaft zu untermauern, auch seine Gegner werden über kurz oder lang seine selbstgerechten Äußerungen als Beweis für die scheinbare Unmenschlichkeit von Konsumenten kinderpornographischen Materials in Anspruch nehmen und dabei vergessen, dass diese Täter zugleich auch Opfer eines psychischen Problems sind, welches unter professioneller Hilfe zu bewältigen gilt. 

Quelle: facebook.de