Eine neue konstitutionelle Ordnung sowie neue Gesetzte sind die Bedingungen in Havanna, damit die kolumbianische Regierung und die FARC-Rebellen einen Friedensvertrag unterschreiben. Seit die Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerrilla in Kuba im Jahr 2012 angefangen haben, gab es einige Änderungen, Unstimmigkeiten und Kontroversen, die die Skepsis des kolumbianischen Volkes bezüglich der Verhandlungen steigern.

Die Verhandlungen wurden am Anfang geheim gehalten, weil, historisch betrachtet, die FARC nie eine Friedensabsicht gezeigt hat. Als der Prozess öffentlich gemacht wurde, versicherte der Präsident, dass der Staat nicht länger als ein Jahr am Verhandlungstisch sitzen würde. Die Verhandlungen dauern nun schon drei Jahre an. Die FARC haben weiter Menschen entführt, Minderjährige rekrutiert und Attentate organisiert, während ihre Vorsitzenden in Kuba mit Vertretern der kolumbianischen Regierung sitzen und über Frieden reden.

Der Prozess erfuhr eine Krise, als die FARC-Rebellen einen renommierten Generalen der kolumbianischen Armee im November 2014 entführten, der General Ruben Darío Alzáte. Am Abend der Entführung verkündete der President Santos, dass er die Friedensverhandlungen bis zur Befreiung des Generals unterbrach. Die FARC befreiten den General nachdem sie aber öffentlich erklärten, dass die Verhandlungen in Kriegszeiten stattfinden und dass die Entführungen Teil davon sind.

Die Vereinbarungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerrilla würden unter anderem bedeuten, dass die FARC-Rebellen die Freiheit haben in öffentlichen Ämtern zu arbeiten, nachdem sie das bürgerliche Leben wieder aufnehmen. Sie würden also keine Haftstrafe verbüßen müssen. Dieses bedeutet nicht nur die komplette Änderung der kolumbianischen Verfassung, sondern auch die Verletzung von Gesetzen des Internationalen Strafgerichtshofes, denn es ist kein Geheimnis, dass die FARC Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat. Außerdem bezeichnen viele Länder sie als Terroristen und verlangen die Auslieferung von einigen seiner Mitglieder, unter anderem, wegen ihrer Verbindung zum Drogenhandel.

Was passiert, wenn das Ergebnis der Friedensverhandlungen dazu führt, dass ehemalige Verbrechern Parlament sitzen? Was passiert, wenn sie verlangen, dassPrivatbesitz verstaatlicht wird? Was passiert mit den Opfern dieser bewaffneten Gruppe, wenn sie sich seine Mitglieder in der Regierung befinden? Sagt man nicht, dass das Sehen von Gerechtigkeit die innere Wunden der Opfer heilt?

Aber der Präsident Juan Manuel Santos scheint sein Ziel klar vor Augen zu haben: Es ist egal, was für einen Preis das Land zahlen muss, ein Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC muss unterschrieben werden.

Foto: Camilo Rueda López / Flickr.com unter CC-BY-ND 2.0