In Tansania werden Hexendoktoren seit Jahrzehnten still geduldet. Nun geht die Polizei mit ungewohnter Härte gegen die Heiler vor. Laut DW wurden rund 225 von den illegal agierenden Personen im ostafrikanischen Land festgenommen. Die zwielichtigen Akteure stellen insbesondere für Menschen mit Albinismus eine große Gefahr dar. Nach UN-Angaben wurden seit dem Jahr 2000, 75 Menschen mit dem Gendefekt in Tansania getötet. Der Zusammenhang zwischen den Morden und den illegalen vermeintlichen Heiler/innen des Landes ist klar, nur genossen die allermeisten Heiler bisher einen unausgesprochenen Schutz, selbst von höchster politischer Ebene. Offiziell werden solche "blasphemischen Handlungen" als Humbug abgetan, doch der Glaube an die Wirkung solch schwarzer Magie zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten.

Die Körperteile von Menschen, die ohne Farbpigmente geboren wurden, sind hoch begehrt. In verschiedenen Ritualen sollen die Kräfte der toten Albinos hervorgerufen werden, und sollen den Menschen Glück und Reichtum bescheren. Unglückliche und gierige Menschen sind dafür bereit, unschuldige Erwachsene und Kinder umzubringen bzw. umbringen zu lassen. Die rituellen Handlungen wirken pervers und unmenschlich. Das Trinken von Blut, Essen von Hirn oder das Vergraben von Händen sind Beispiele für solche Rituale.

Die Hexenmeister/innen gelten in Tansania oft als bedeutende Vermittler zwischen dieser und jener Welt. Ebenso (bewiesenermaßen) bedeutend sind sie als Vermittler zwischen den Albino-Jägern und den Menschen, die an die Hexerei glauben. Die Jagd nach Menschen mit Albinismus ist lukrativ. Mehrere zehntausend Euro sind umgerechnet mit einem Corpus zu verdienen. Viele Tansanier werden in ihrem gesamten Leben nicht so viel verdienen.

Die Verhaftung der Hexendoktoren ist nicht nur ein positiver Schritt für die Menschen mit Albinismus, sondern generell ein längst überflüssiger Schritt gegen den Aberglauben im Land. Immer wieder werden Menschen in Krankenhäuser eingeliefert, mit grausamen Verstümmelungen, Vergiftungen oder auch nur Verstopfungen, die durch seltsame bis gefährliche Rituale durch Hexenmeister hervorgerufen werden. Mit der großflächigen Polizeiaktion entsteht der Eindruck, dass diese Handlungen gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert sind.

Aufgrund der häufig praktizierten Eheschließung zwischen Blutsverwandten kommt das Phänomen der fehlenden Melanin-Pigmente bei Menschen in Tansania bis zu 14-mal häufiger vor als im Westen. Das Vorgehen gegen die Zauberdoktoren ist zwar der richtige Weg, aber bisher verspricht das Vorgehen noch keine Sicherheit für die Albinos im Land. In Tansania hält sich die Anzahl von Christen und Muslimen ungefähr die Waage, doch der Glaube an die Wirkung von Hexerei liegt bei fast 90%. Dieser Glaube muss stetig vermindert werden, damit erkennbar und wirksam die Gefahr für Albinos abnehmen kann. Die Verfechter gegen die Albino-Verfolgung und die gesamte Hexerei müssen sich ebenfalls gegen Korruption, Machtgier und verstaubte Denkweisen in der Politik durchsetzen, ein harter Kampf.

Präsident Jakaya Kikwete beschrieb die Übergriffe auf Menschen mit Albinismus in seinem Land als "abscheulich und große Peinlichkeit". Die Abscheulichkeit der Taten liegt klar auf der Hand, brisant ist die Peinlichkeit. Tansania kann sich als Land, welches in der globalen Wirtschaft an Bedeutung erlangen will und großen Profit aus dem Tourismus zieht, keinen Aberglauben und keine derartigen Menschenrechtsverletzungen leisten. Sie bestärken nur ein bestehendes schlechtes Klischee eines Landes, welches aus genau diesem zu entfliehen versucht.

Foto: by Lars Plougmann, Ministry of Hope Nursery, Lilongwo-Tadala, 2005, flickr.com. #Rassismus