Was für ein Rauschen im Blätterwald - dabei waren seine zum Teil verschwörungstheoretisch angehauchten Positionen schon lange bekannt: Als Xavier Naidoo am Tag der deutschen Einheit an einer Demonstration der "Reichsbürger" teilnahm, die die staatliche Existenz der Bundesrepublik Deutschland anzweifeln und eine Nähe zum Rechtsextremismus aufweisen, stand die Musikszene Kopf. 

Gerade deutsche Pop- und Rock-Musiker hatten sich lange irgendwo zwischen "Toten Hosen" und "Die Ärzte" im linken Lager eingefunden: Populäre #Musik und eine etwas sozial-revolutionäre Attitude gehörten lange untrennbar zusammen. Diesen Konsens hat Naidoo gehörig aufgebrochen, was ihm bisher vornehmlich von Seiten der Mannheimer Lokalpolitik Kritik einbrachte, seiner Karriere aber kaum schadete.

Seit einigen Wochen steht nun sein Kollege aus der Vox-Sendung "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert", Andreas Gabalier, in Österreich im Fokus der Öffentlichkeit - wegen ähnlichen Vorwürfe. Zunächst wäre da der Hymnen-Skandal zu erwähnen: Die Österreichische Hymne wurde 2012 vom Parlament anti-sexistisch "durch-gegendert", weswegen Gabalier eine Variante mit altem Text produzierte und sich in einem offenen, viel bejubelten Brief gegen die Änderung aussprach.

Nun erregt das Cover der neuen Single "Mountain Man" Aufmerksamkeit: Darauf zu sehen ist Andreas Gabalier als Superheld, der eine Dirndl-Maid rettet. Bereits bei einem älteren Cover wollte ein Redakteur des linksliberalen österreichischen "Standard" ein Hakenkreuz erkannt haben. Diesmal steht eine Ähnlichkeit zu einem Superheld aus einem Wahlwerbe-Comic der rechtsdemokratischen FPÖ um HC Strache im Raum. Dieser jedenfalls scheint Gabalier-Fan zu sein: Auf seiner rege frequentierten Facebook-Seite verteidigte der Politiker den Künstler binnen einer Woche ganze sieben Mal gegen Anwürfe aus der linken Ecke. 

Gabalier bezeichnet sich derweil weiter als unpolitisch. Auch ihm haben die Skandale bisher kaum geschadet, vielmehr ist eher eine Solidarisierung der Fangemeinde zu beobachten. Es bleibt spannend, wie die Polit-Querelen um deutsch-sprachige Musiker weitergehen. Und vor allem: Wer outet sich als nächstes?