Erstmals macht die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) abseits von blutiger Gewalt an Menschen Schlagzeilen, denn die Miliz macht nun archäologische Ausgrabungsorte, und damit wertvolle altorientalische Kulturgüter, dem Erdboden gleich. Wie das irakische Altertumsministerium auf seiner Facebook-Seite bestätigt, soll neben Mossul nun auch die assyrische Ruinenstadt Nimrud akuten Zerstörungen ausgesetzt sein.

Mit Bulldozern gegen Ruinenmauern

An der besagten Ausgrabungsstätte in Nimrud sollen schwere Militärfahrzeuge und Bulldozer gesichtet worden sein, allerdings können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genauen Angaben über den Grad der Beschädigung gemacht werden. Die internationale Gemeinschaft reagiert angesichts der erneuten Zerstörungsaktion des IS geschockt, beim Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin, Markus Hilgert, schrillen die Alarmglocken: "Wenn nichts getan wird, dann ist das einmalige Kulturerbe im Irak und auch in Syrien in zehn oder 15 Jahren verschwunden."

Kultureller und politischer Mittelpunkt des Assyrischen Reiches

Nimrud ist südlich von Mossul gelegen und war in seiner Blütezeit während des 9. Jh. v. Chr. temporär die Hauptstadt des assyrischen Reiches, bevor sie im 7. Jh. v. Chr. mit dem Untergang des Reiches zerstört wurde. Im 19. Jh. n. Chr. wurden die antiken Kulturgüter Nimruds von britischen Archäologen wiederentdeckt, die Festungsruinen, Tempelanlagen, Obelisken und verzierte Reliefs zu Tage förderten. Angst um diese Kulturschätze regt sich auch in Europa, Altorientalist Hilgert äußert sich der Deutschen Presse-Agentur gegenüber, wie folgt: "In Nimrud wird auch der archäologische Kontext zerstört, der viel über die Fundstücke erzählt und ihnen erst ihre Bedeutung gibt."

Bereits Ende Februar kam es zu Zerstörungen antiker Statuen in der Provinz Ninive

Ein unlängst veröffentlichtes Video aus Mossul gibt Grund zur Sorge, darauf ist zu sehen, wie Mitglieder des IS eine mehr als 2.600 Jahre alte altorientalische Figur mit Hämmern bearbeiten und schließlich umstürzen. Weitere Statuen werden sogar mit einem Presslufthammer zerstört. Die Miliz argumentiert, dass die Statuen ein Symbol des Vielgötterglaubens seien und gemäß des islamischen Verbots der bildlichen Gottesdarstellung eliminiert werden müssten. Zahlreiche andere Figuren sollen allerdings abtransportiert und verkauft worden sein, um die Miliz zu finanzieren. Auch in Nimrud spekuliert man über den möglichen Abtransport von Kunstgegenständen für den späteren Verkauf.

UNESCO deklariert die Zerstörung kulturellen Erbes als "Kriegsverbrechen"

Die UNESCO-Vorsitzende Irina Bokova bezeichnet die Angriffe auf die Ausgrabungsstätten als "mehr als eine Kultur-Tragödie" und verurteilt die kulturellen Säuberungen als "Kriegsverbrechen." Auch der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon ruft "die internationale Gemeinschaft dringend auf, rasch diesen abscheulichen terroristischen Aktivitäten ein Ende zu setzen und dem illegalen Handel mit Kulturgütern entgegenzutreten." Zu diesem Zweck verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat bereits eine Resolution, die den Verkauf von Kulturgütern durch den IS erschweren soll.

Bild: M.chohan / Wikimedia Commons #Terror #ISIS