Papst Franziskus scheut sich auch bei dieser Reise nicht, seine Meinung öffentlich kund zu tun. Als er am Samstag in der Strafanstalt Poggioreale auf neapolitanische Häftlinge traf, bemängelte er die Verhältnisse in den italienischen Gefängnissen und sprach davon, dass die Wiedereingliederung in die Gesellschaft für Häftlinge besonders schwierig sei, weil ihnen zu wenige Möglichkeiten zur Resozialisierung offen stehen würden. Dennoch lobte er jene Menschen, die den Ex-Sträflingen beim Einleben im Alltag helfen würden.

Ein Wunder geschieht

Als Franziskus am selben Tag den Dom in Neapel besuchte, wurde ihm die Ampulle mit dem geronnenen Blut des Märtyrers Januarius gereicht. Der Papst küsste das Gefäß und wie durch ein Wunder verflüssigte sich das Blut des Stadtheiligen von Neapel. Wie die Kathpress berichtete, meinte der Papst dazu: "Der Erzbischof sagte mir, das Blut habe sich halb verflüssigt. Man sieht: Der Heilige mag uns halb. Wir müssen alle noch ein wenig umkehren, damit er uns ganz mag."

Doch das "Blutwunder des Heiligen Januarius" ist nicht zum ersten Mal aufgetreten. Dreimal im Jahr - am Fest des Heiligen, dem 19. September, am Tag vor dem ersten Sonntag im Mai und am 16. Dezember, an dem daran gedacht wird, dass vor dem Vulkanausbruch des Vesuvs im Jahr 1631 gewarnt wurde - wird das Blut des Januarius flüssig und wird in Neapel mit einem Gottesdienst gefeiert.

Kritik an Mafia und Kriminalität

Bei der Messe auf der Piazza del Plebescito, an der rund 60.000 Gläubige teilnahmen, kritisierte Papst Franziskus indirekt auch die Mafiaorganisation Camorra und rief diese zur Umkehr auf. Laut eines Berichts des Spiegel sagte Franziskus: "Es ist jederzeit möglich, zu einem anständigen Leben zurückzukehren." Während seiner Predigt sprach der Papst Themen wie den Drogenhandel, Schwarzarbeit, Zwangsarbeit und auch das italienische Flüchtlingsproblem an.

"Es ist heute die Zeit der Befreiung für Neapel: Das ist mein Wunsch und mein Gebet für eine Stadt, die in sich so viel spirituelles, kulturelles und menschliches Potenzial hat.", so lautet der Appell am Ende der Predigt des Papstes nach Angaben von orf.at.