Bochum in Aufruhr! - so könnte der Titel eines Films lauten, in dem der 1962 geborene Wolfgang Wendland die Hauptrolle spielt. Das Drehbuch ist schnell zusammengefasst: Wendland, der gelernte Medienvorlagenhersteller, Filmemacher und Sänger der Punk-Band "Die Kassierer" will ins Rathaus und zwar nach ganz oben. Die Konservativen schlagen schon jetzt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Doch die erste Hürde ist bereits genommen: Der "Wölfi" ist jetzt Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters - 420 Unterschriften von Unterstützern hat er dafür benötigt und bei der Verwaltung eingereicht. Seine Parole "Wölfi wählen" erinnert an den Wahlkampf von Willy Brandt.

Wölfis ernstzunehmende Gegner: Ein sozialdemokratischer Berufspolitiker und ein CDU-Mann aus der Industrie mit Polit-Erfahrung, beide bei weitem nicht so charismatisch wie der "Kassierer"-Frontmann. Na so ganz ohne politische Erfahrung geht Wendland ja auch nicht ins Rennen: Fünf Jahre lang saß der 52-jährige Punker für die Linke in der Bezirksvertretung Bochum-Wattenscheid. Dort hat er sich unter anderem für Obdachlose stark gemacht. Außerdem war er in der Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands, dann in deren Abspaltung, der Pogoanarchistischen Pogo-Partei, für die er 2009 für die Europawahl kandidierte. Außerdem kann der Punker TV-Erfahrung vorweisen.

In der dritten Ausgabe der Joko-und-Klaas -Show "Circus Halligalli" wirbelte er bei Prosieben splitterfasernackt durchs Publikum.

Studiogast Lena-Meyer Landruth war geschockt, das Publikum nahm es gelassen. Wen schockieren heute noch nackte Tatsachen? Anarchie ist das schon lange nicht mehr. Wenn Wolfgang Wendland erst einmal Verwaltungschef in Bochum ist, will er mit mehr Transparenz regieren als seine Vorgänger(in). Ob Wölfi dann allerdings noch zu Liedtext-Zeilen wie "Arbeit ist scheiße" stehen kann, wird sich zeigen. Bei vielen jungen Leuten kommt seine Kandidatur auf jeden Fall gut. Und vielleicht heißt es ja schon bald: In Bochum regiert der Punk! jh #Fernsehen