Der niedersächsische Kinderschutzbund lehnte die Zahlung Edathys in Höhe von 5.000 Euro ab, aufgrund fehlender Reue des Angeklagten. Währenddessen hatten sich, laut NDR, schon viele andere Institutionen in Stellung gebracht, um von der stark kritisierten Strafe zu profitieren. Am 10. März bekam nun der niedersächsische Jugend- und Kinderfeuerwehrverband, welcher sich ebenfalls um "Zuwendung bemüht" hatte, die 5.000 Euro zugesprochen.

Das Thema "Edathy" ist seit Wochen in den Medien präsent und führte zu einer öffentlichen Debatte um den Umgang mit Pädophilen und Kinderpornos. Besonders das Urteil des Landgerichts Verden sorgte für Empörung. Mit einem Eingeständnis von Fehlern und einer Zahlung von 5.000 Euro sollte das Verfahren eingestellt werden. Die Reaktionen gingen in sozialen Netzwerken von: "Hängt dieses perverse Schwein", zu "Der Mann wurde öffentlich hingerichtet, für ein paar Videos? Unverhältnismäßig!". Ungeachtet dessen, wie extrem die hetzerischen Äußerungen der Gegner, oder wie seltsam mitfühlend die Kommentare der In-Schutz-Nehmenden sind, der Kinderschutzbund reagierte richtig, als er das zugesprochene Geld von Edathy ablehnte. Damit hielt er die Diskussion am Laufen, sich selbst glaubwürdig und seinen Ruf seriös.

Der niedersächsische Jugend- und Kinderfeuerwehrverband begibt sich mit der Entscheidung für das Geld auf eine riskante Gratwanderung. Einerseits wäre es ungeschickt, wenn der Verband die Taten von Edathy und den Ausgang des Verfahrens gut heißen würde, andererseits möchte der Verband das Geld verwenden, um "Das körperliche und seelische Wohlbefinden der Jungen und Mädchen in den Kinder- und Jugendfeuerwehren in Niedersachsen zu schützen", wie es in den Statuten des Verbands steht. Wie viel sind 5.000 Euro für ein solches Programm wert? Inwiefern schadet es dem Ruf der Feuerwehrjugend? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, wenn keiner das Geld angenommen hätte, und sich der ehemalige Politiker so nicht aus der Affäre hätte ziehen können?

Ohne diese Fragen abschließend beantworten zu können, lässt die Situation rund um die "Buhlerei" vieler Institutionen um "nur" 5.000 Euro darauf schließen, wie schlecht es sozialen Einrichtungen und Organisationen momentan in Deutschland geht. Den Kinderschutzbund überrollte nach der Ablehnung des Geldes eine massive Spendenflut, aber auch diese wird wieder abnehmen. Eine soziale Organisation wie der Jugend- und Kinderfeuerwehrverband sollte nicht angewiesen sein, auf solch mit Zweifeln belastetes Geld.

Foto: blu-news.org - flickr.com #Sebastian Edathy