"Gemeinsam einsam" scheint die Devise der heutigen Gesellschaft zu sein, wenn es um das Tabuthema "Tod und Sterben" geht. Nichts isoliert einen Menschen mehr, als eine schwere Krankheit. Die meisten sind so sehr damit beschäftigt, dem Gedanken an die eigene Vergänglichkeit davonzulaufen, dass sie einfach nicht mehr die Kraft haben, sich auf das Sterben eines nahen Angehörigen einzulassen. Wenn doch, dann nur unter Zwang und mit enormen seelischen Qualen. Der Umgang mit Verlusten ist eine Fähigkeit, die der heutigen Gesellschaft fast zur Gänze abhandengekommen ist.

Es ist ein großes Paradoxon unserer Zeit, das zwar niemand alleine sterben will, aber die Wenigsten mit sterbenden Menschen zusammen sein wollen. Das entspricht auch einer Studie des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes: Auf die Frage, wo sie sterben wollen, wenn sie bald sterben müssten, antworten 66 Prozent mit Zuhause, 18 Prozent nennen das Hospiz als Einrichtung mit Sterbebegleitung, drei Prozent ein Krankenhaus und ein Prozent ein Pflegeheim. Zwölf Prozent enthalten sich der Antwort. Fazit: Der Großteil will Zuhause sterben. Die Realität sieht leider anders aus: 75 Prozent sterben letztendlich im Krankenhaus oder im Heim, nur ca. 20 Prozent tatsächlich zu Hause.

Dieses Auseinanderklaffen von Wunschvorstellung und Realität liegt mit Sicherheit in der Tatsache begründet, das die eigenen Angehörigen mit den Schmerzen und Ängsten des Kranken überfordert sind. Sterbebegleitung wird zum Ding der Unmöglichkeit. Hat man zu Beginn der Krankheit noch den Wunsch zuhause, bei den Angehörigen zu sein, verwirft man diesen Wunsch dann schnell, weil die Angehörigen nicht in der Lage sind, die Schmerzen und andere gesundheitliche Probleme zu lindern. Man geht dann natürlich dorthin, wo diese Leiden gelindert werden und das ist in der Regel ein Krankenhaus.

Genau in diese Kerbe schlägt die Hospizidee mit ihrer effizienten Palliativmedizin. Kranken wird zuhause oder im Hospiz in einer respekt- und liebvollen Atmosphäre, trotz schwerer Krankheit Würde und Lebensqualität, bis zuletzt, verschafft. Durch individuelle Betreuung, Schmerztherapie, Symptomlinderung und intensive Pflege wird im Hospiz ein Abschied in Würde ermöglicht.

Dass die Hospizidee ein immer breiteres Credo in der Bevölkerung findet, zeigt die Tatsache, dass bereits fast jeder 5. Deutsche in einem Hospiz sterben will. Sterben heißt leben und wenn man das Sterben als natürlichen Teil des Lebens akzeptieren will, muss man sich auf das Sterben vorbereiten. Das gilt natürlich auch für die Politik. Leistungen der Hospiz- und Palliativpflege müssen besser in den Leistungskatalog der Kassen eingebunden werden, weil die Begleitung von Sterbenden intensiver ist als die allgemeine Pflege. #Gesundheit