Unvergesslich bleibt die Sendung von Günther Jauch, in der auch der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis zugeschaltet war. Genüsslich wurde eine Szene präsentiert, in welcher Varoufakis Deutschland den "Stinkefinger" zeigt. Die Dementis Varoufakis, bezüglich der Echtheit des Videos wurden von Jauch und seinen Gästen abgeschmettert. Der BILD-Kolumnist Ernst Elitz ließ sich sogar zur Unterstellung, Varoufakis würde es mit der Wahrheit halt nicht so genau nehmen - "ich kann mir nicht vorstellen, dass ich hier in dieser Sendung ein getürktes Bild gezeigt wird", hinreißen. Die Wogen der Empörung gingen hoch und stellten den Startschuss für das unwürdigste Pressespektakel der letzten Jahre dar.

Unter dem Motto: Weil nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf, stürzten sich die Mainstreammedien auf die Story und stellten natürlich gleich den aktuellen Bezug zur Schuldenkrise her. Das optimale Feindbild war gefunden und die ganze Häme der deutschen Nation prasselte auf Varoufakis nieder.

Dann schildert plötzlich der Satiriker Jan Böhmermann, wie er das Video gefälscht hat. Böhmermann, der für seinen eigenartigen Humor bekannt ist, hat sich mit seiner Sendung "Neo Magazin Royale", einen guten Ruf abseits des Mainstreams erarbeitet. Die Nachricht, dass Varoufakis nicht den "Stinkefinger" gezeigt hat, schlägt ein wie eine Bombe und verbreitet sich in Windeseile über Facebook und Twitter. Für die Mainstreammedien gibt es ein böses Erwachen. Wie sagt man so schön: Nicht alles was im Fernsehen gezeigt wird entspricht auch der Wahrheit. Diese Lektion musste Günter Jauch und sein Team für einige Stunden auf schmerzvolle Weise lernen. Alle fragten sich, warum sie sich so mitreißen haben lassen. Keiner ahnte, dass dies erst der Anfang der Lektion sein sollte, welche Böhmermann den Medien zu erteilten gedachte.

Als wiederum die Nachricht kam, dass dieses Video, in welchem Varoufakis den "Stinkefiner" zeigt, doch nicht gefälscht war, fielen alle aus den Wolken. Sie sind einem "Doppelfake" aufgesessen. Böhmermann selbst sagt am Ende seines Videos: "Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und einen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen".

Im Mittelalter war es der Hofnarr, der den König, ohne bestraft zu werden, kritisieren konnte. Natürlich auf lustige Art und Weise. In einem gewissen Sinne übernahm Böhmermann die Rolle und zeigte den Medien und der deutschen Bevölkerung wie lächerlich und klischeebeladen diese ganze Debatte um den "Stinkefinger" des griechischen Finanzministers Varoufakis war oder ist. Varoufakis hat also doch den "Stinkefinger" gezeigt, nur in einem ganz anderen Zusammenhang und Jauch samt Team haben ihren Vorteil daraus gezogen. Sicher hätte Varoufakis, der sich anscheinend wirklich nicht mehr daran erinnern kann, jemals den "Stinkefinger" gezeigt zu haben, ehrlich antworten können. Egal, Deutschland und Griechenland haben sicher besseres zu tun als dieses Thema noch weiter breitzutreten.

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