Wer kennt sie nicht? Mit ruhiger und gefasster Stimme spulen die #ISIS-Opfer einen vorbereiteten Text herunter und werden danach enthauptet. So mancher fragt sich, wie es möglich ist, dass die Opfer sich nicht wehren oder um ihr Leben flehen. Die Enthauptungsvideos der Terrororganisation ISIS schockieren die Welt. Trotz aller Schrecklichkeit mehren sich Stimmen, welche die Echtheit der Videos anzweifeln. Ungereimtheiten, wie die absolute Ruhe der Opfer, verstärken den Verdacht, dass mit den Videos etwas nicht stimmt.

Der deutsche Journalist Gerhard Wisnewski hat im Dezember vorigen Jahres ein Enthauptungsvideo analysiert und stellte in einem Interview mit Iran German Radio die These auf, dass die Videos vor einem Green-Screen hergestellt wurden. "Ich habe sowohl den Ton analysiert, als auch das Bild und auch das Verhalten der Personen in diesem Video. Bei dem Opfer stellt man fest, dass es eine ganze Liste zusammengekommen ist, von seltsamen Verhaltensmerkmalen: In dieser Situation ist das Opfer absolut ruhig, bewegt sich nicht, zittert und schlottert auch nicht, seine Körperhaltung ist entspannt und er atmet vollkommen ruhig, sein Blick senkt sich kaum, er strahlt sogar Sicherheit aus, bei seiner Rede, dieser Journalist, der gleich enthauptet werden soll." Das Interview wurde von Seyed Hedayatollah Shahrokny für Iran German Radio geführt.

Eine andere Erklärung könnte eine von der Washington Post aufgestellt Hypothese liefern. Sie führte im September 2014 ein Interview mit einem Überläufer der ISIS, der behauptete, dass die Geiseln zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, dass sie sterben würden. Wie sonst ließe sich erklären, dass die Geiseln mit absoluter Ruhe die ihnen aufgetragene Propaganda vortragen und dann enthauptet werden. Es wurde den Geiseln gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen bräuchten weil es sich nur um eine Scheinhinrichtung handelte. Freilich steht der Tod der Geiseln von Anfang an fest. #Terror #Krieg

Die Berichte über die Scheinhinrichtung können auch erklären, warum viele Morde selbst nicht auf Film gezeigt werden. Das Risiko eines Todeskampfes in letzter Minute vor der Hinrichtung, welcher Propaganda-Elemente des Videos ruinieren könnte, wird nicht eingegangen. Die Opfer werden in Sicherheit gewiegt damit sie ihre Rolle im Propagandavideo erfüllen können. Diese menschenverachtende Taktik ist wahrscheinlich aus den Erfahrungen der Jamaat al-Tawhid, einer Vorläufergruppe des Islamischen Staates entstanden, bei denen Geiseln, die wussten, dass sie getötet würden, oft unvorhersehbar reagierten und damit gezielte Propaganda unmöglich machten.