Bei einem terroristischen Anschlag auf eine Universität in Kenia werden fast 150 Menschen getötet. Hintergrund des Anschlags ist die Forderung der somalischen Al-Shabaab Miliz die kenianischen Truppen aus ihrem Heimatland abzuziehen. Die kenianischen Truppen wurden im Jahr 2011 in das benachbarte Land Somalia entsendet, um die dort sitzende extremistische Al-Shabaab Miliz zu bekämpfen.

Nach einem Tag verliert diese Meldung scheinbar ihre Aktualität und wird auf den Internetseiten der deutschen Zeitungen ersetzt durch den Iraner Atom-Deal, den Fund der zweiten Blackbox der abgestürzten Germanwings-Maschine und Helmut Kohls Geburtstag. Der Umgang mit dem Drama im kenianischen Garissa zeigt auf, wie schwer es Meldungen aus Afrika in der westlichen Medienwelt haben. Auf dem Kontinent passieren ständig unvorstellbar grausame Dinge. Die Berichterstattung ist durchgehend negativ. Boko-Haram sowie andere zunehmend stärker werdende islamistische Gruppierungen und die Ebola Krise. Dies sind Themen, die die Nachrichtenschwelle regelmäßig überwinden und es zu Top-Themen-Formaten in den Nachrichten schaffen, doch damit gehen zwei Probleme einher.

Die westlichen Leser werden an einen Standard gewöhnt. Wenn eine Nachricht vom schwarzen Kontinent nicht schockierend genug klingt, ist sie uninteressant. Gleichzeitig ist die andauernde Dramatik ermüdend und fördert klischeehaftes Denken.

Afrika ist nicht nur Afrika. Es ist ein bunter Kontinent mit vielen verschiedenen Kulturen. Neben den bekannten großen Staaten wie Südafrika, Nigeria, Ägypten und Kongo gibt es auch allgemein weniger geläufige und trotzdem bedeutsame Staaten wie Tschad, Burundi, Mosambik oder Malawi.

Armut ist das absolut vorherrschende Bild vom afrikanischen Kontinent. Verglichen zum westlichen Lebensstil ist diese Annahme auch weitgehend richtig. Untereinander gibt es jedoch noch große Unterschiede. Die politischen und wirtschaftlichen Situationen in den Ländern unterscheiden sich und lassen so auch angenehmes oder furchtbares Leben zu. In einigen Ländern besteht wenig offene Gewalt und die Kriminalitätsraten sind nicht anders als in westlichen Ländern. Als Beispiele lassen sich Algerien und Libyen nennen. Sie sind zwar politisch instabil, doch große Teile der Länder sind weitgehend friedlich und haben gute soziale Voraussetzungen.

Eine Geschichte aus meinem Aufenthalt in Tansania spiegelt diese Unterschiede anschaulich wieder. Phoebe Lema, leitende Schwester für den Operationssaal der inneren Medizin eines mittelgroßen Krankenhauses im Norden des Landes, schaute an einem Arbeitstag geschockt in die Runde. Im Radio wurde über die Situation der Menschen im Südsudan berichtet. Der neugegründete Staat findet nur äußerst schwer zu politischer Stabilität und viele Menschen leiden unter Nahrungs- und Wassermangel. Die Kämpfe zwischen rebellierenden Parteien erschweren die Lage der Zivilbevölkerung weiter. Mama Lema, wie die Chefin des Operationssaals respektvoll und liebevoll genannt wird, stand auf und meinte, dass man den Menschen dort helfen müsse. In Tansania würde man sich den Bauch mit Gebäck und Tee vollschlagen und im Südsudan würden die Menschen verhungern. Man müsse sofort spenden. Die herzensgute Frau hat selbst nur ein kleines Häuschen und schafft bald den weiten Weg ins Krankenhaus nicht mehr, denn ein Auto oder Motorrad hat ihre Familie nicht. Sie bekommt nur einen kleinen Lohn. Und dennoch forderte sie an jenem Tag, dass jeder ein bisschen Geld geben müsse, um den Menschen in diesem armen Land zu helfen. Einen Vergleich zur westlichen Welt zu ziehen, erscheint mir an dieser Stelle überflüssig. Tansania und Südsudan sind geografisch für Laien eher schwer unterscheidbar. Ebenso die politische Situation oder die Historie, doch es bestehen gravierende Unterschiede, die in der Berichterstattung oft in der schwarzen Suppe "Afrika" vermischt werden.

Die Schilderung dieser Erfahrung gibt einen kleinen Ausblick darauf, wie unterschiedlich die Länder in Afrika zu betrachten sind.

Die negative westliche Berichterstattung ist angesichts der schockierenden Vorkommnisse auch verständlich. Vielleicht gibt es auch einfach wenig Positives zu berichten?

Dass diese Frage guten Gewissens mit "Nein" beantwortet werden kann, beweist das Magazin "Africa Positive". Mit Berichten über Entwicklung, Fortschritt und kulturelle Güter werden hier neben vielem positiv Bemerkenswertem auch Unterschiede zwischen einzelnen Ländern verdeutlicht. Es wäre wünschenswert mehr erfreuliche Nachrichten vom schwarzen Kontinent in den Nachrichten zu haben, vielleicht könnte dies auch das Interesse der Gesellschaft an dem "Thema Afrika" wieder auffrischen.

Foto: by Geraint Rowland, flickr.com. #Terror