In einer Online-Petition auf der Plattform change.org findet man momentan drei Petitionen, die sich für religiöse Bauten an den eigentlich säkularen Universitäten der Türkei einsetzen: eine fordert den Bau von einer Moschee an der Technischen Universität in Istanbul, damit Studenten einer Säule des Islams, die fünf Gebete pro Tag, nachkommen können. Eine zweite fordert in Reaktion den Bau eines buddhistischen Tempels an derselben Universität mit der Begründung, dass der nächste mehrere tausend Meilen entfernt sei. Die dritte fordert schließlich den Bau eines Jedi-Tempels an der staatlichen Dokuz Eylül Universität in Izmir. Als Gründe hierfür wird angegeben, dass der nächste Tempel mehrere tausend Lichtjahre entfernt sei und immer mehr und mehr Padawans - Novizen im Jedi-Orden - sich der dunklen Seite der Macht zuwenden. Der Verfasser Akin Cagatay Caliskan verspricht in der Beschreibung ein Jedi-Konzil im Tempel einzurichten und junge Jedis darin zu unterrichten die Macht zu beherrschen und weise einzusetzen.

Diese Form der Satire kommt zu einem Zeitpunkt in dem die Türkei durch ihre eigene Regierung Gefahr läuft ihre säkularen Grundsätze aufzulösen. Die Proteste im Mai 2013 im Gezi-Park, die mit Gewalt niedergeschlagen wurden, sind noch tief im Bewusstsein der Studenten verankert. Denn auch bei diesen Demonstrationen ging es vorrangig darum, dass Studenten ihrem Unmut über die religiöse Prägung des von der Religion zu trennenden Staatsgeschehen kundzutun. Im Zuge dieser Demonstrationen starben sechs Demonstranten, mehr als 8.000 Menschen wurden verletzt.

Es gibt somit einen ernsteren Aspekt an der Petition, sie verweist nämlich zum einen auf den Umstand, dass die Studenten womöglich aus den Geschehnissen 2013 gelernt haben, auf Demonstrationen zu verzichten. Zum anderen lenkt sie Aufmerksamkeit darauf, dass es religiösen Minderheiten zunehmend schwer gemacht wird, ihre eigenen Gotteshäuser in dem mehrheitlich sunnitischen Land am Bosporus zu errichten. Dies mag vielleicht nicht die Kernabsicht des Verfassers gewesen sein, dennoch ist die Aufmerksamkeit, die diese Petition erregt, gerechtfertigt und nicht nur als Jugendscherz abzutun.

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels haben 7.204 Menschen die Petition unterschrieben. Von staatlicher Seite wurde bis jetzt kein Statement veröffentlicht.