Hurra, jippieh, wie schön! Angela Merkel und Sigmar Gabriel haben die Bürger für sich entdeckt. Das ging ja echt schnell. Mit dem brandneuen Projekt "Gut leben in Deutschland - Was uns wichtig ist" gehen die beiden auf bundesweite Tingel-Tour. Auf rund 100 Veranstaltungen wollen die Kanzlerin und ihr Peripherie-Sozialdemokrat herausfinden, was die Menschen denn so wollen, was sie sich wünschen, wie man sie glücklich machen kann. Auf den ersten Blick scheint das ein krasser Gegensatz zu Wahlveranstaltungen zu sein, die Politiker gern als Gelegenheit nutzen klarzumachen, was sie selbst wollen, was sie sich wünschen und was sie glücklich macht: Möglichst viele Kreuze auf dem Wahlzettel. Auf den zweiten Blick ist das, was im Berliner "Gasometer" seinen Auftakt fand, nichts anderes als das Eingeständnis darüber, dass Merkel und Gabriel keine Ahnung haben, was die Menschen wollen. Und auch gar keine Ahnung haben wollen!


Als Auftakt zu der Veranstaltung im Berliner Gasometer wurde ein kleiner Film eingespielt. In dem äußersten sich ausgesuchte Bürger und Bürgerinnen zu Ihren Wünschen. Arbeiten wollen wie Menschen gern. Hoppla, wer hätte das gedacht? Und viel Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Im Ernst? Eine andere Deutsche sagt, dass sie gern gesund bleiben möchte. Ja, aber wieso denn das?

So geht es weiter in dem kleinen Einspieler, der nicht nur mit hübschen Bildern glänzt, sondern auch noch mit feiner, harmonisch aufgebauter Musikkulisse Eindruck schindet.


Was folgte, waren Plattitüden allererster Güte! Und es ist davon auszugehen, dass sich das bis zum bitteren Ende 2016 fortsetzen wird. Ergänzend zum Trailer fiel Gabriel noch ein, dass viele Menschen womöglich auch noch eine gesunde Umwelt, Verbraucherschutz und den Frieden so ganz allgemein gut finden würden. Bemerkenswert aber ist ein anderer Satz aus Gabriels Mund: "Gut leben in Deutschland - Was uns wichtig ist (…) das ist eben keine Feststellung (…), sondern das ist eine Frage."

Genau genommen ist das keine Frage, sondern eben doch eine Feststellung. Aber wollen wir mal nicht kleinlich sein. Und widmen wir uns eher der Frage, was Gabriel und Merkel mit ihrer Aktion erreichen wollen.

Die Menschen wollen sie erreichen. Um bei ihnen den Eindruck zu vermitteln, sie hätten etwas zu melden, sie hätten mitzubestimmen und ihre Meinung wirke sich faktisch auf die Politik aus. Nur ist das nicht der Fall. Denn Merkel und Gabriel wissen sehr genau, was den Menschen wichtig ist. Ihr kleiner Einspieler hat das in blumiger Weise deutlich gemacht. Man muss kein Jahr lang medienwirksam durchs Land reisen, im Schlepptau unzählige Kamerateams und kernige Journalisten, die freudig über kleine Anekdoten berichten. Man muss nicht so tun, als wisse man zu wenig über die Bürger, als wolle man herausfinden, was das Herz begehrt. Man muss eigentlich nur eine Politik machen, die den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen entspricht.

Aber das wird sicher jetzt erst mal auf Eis gelegt. Schließlich steht eine stressige und reiseintensive Zeit bevor.

An der Politik kann man dann später immer noch etwas ändern. Falls es sich zufällig ergeben sollte ...

Bild: Sceenshot des Youtube-Kanals von Phoenix #Wolfs Wort