Die GdL streikt schon wieder. Die Medien berichten darüber. Und die Fahrgäste leiden Höllenqualen. Die Stimmungslage hat sich erneut geändert, denn das Verständnis für die Streikenden bröckelt weiter. Die Medien berichten darüber. Claus Weselsky geht es nur darum, seine Mediengeilheit zu befriedigen, außerdem ist er skrupellos bereit, die Wirtschaft an sich, also in so richtig großem Ausmaß, zu schwächen. Die Medien berichten darüber. Jetzt schon wieder zu streiken, dass ist ein Zeichen für Realitätsverlust, für Unverhältnismäßigkeit und Kompromissunfähigkeit. Die Medien berichten darüber.

Die "Bild" und der "Spiegel" haben es besonders auf Claus Weselsky abgesehen. Beide Blätter (eines davon war früher sogar mal ein Nachrichtenmagazin, aber das ist lange her) werden nicht müde, leidende Fahrgäste zu zitieren, der GdL Machtgier zu unterstellen und die wirtschaftlichen Schäden des Streiks in den Vordergrund zu rücken. Andere Medien sind längst mit auf den Wut-Zug aufgesprungen.

Stellvertretend könnte man Markus Voss von "Focus Online" betrachten. Sein kleines Video (das ihn putzig mit einer Lokomotivführermütze zeigt) beginnt mit dem Satz: "Sie tun es schon wieder." Gemeint ist natürlich das Streiken. Dann beginnt er seine Moralpredigt, die damit endet, dass Voss verkündet, der Streik müsse von allen bezahlt werden. Also von den Fahrgästen. Der BDI schätze, dass pro Tag 100 Millionen Euro Schaden durch den Streik entstünde. Der BDI also, der "Bundesverband der deutschen Industrie e. V.". Der zeterte auch gegen den Mindestlohn. Weil es eben sein Job ist.

Aber wirklich unfassbar findet Voss etwas ganz anderes. Er ist empört darüber, was für Folgen es haben würde, könnte sich die GdL mit ihrem "Machtpoker" durchsetzen. Es würde nämlich bedeuten, dass die Bahn künftig mehr Personalkosten hätte.

Ja, wo gibt's denn so was?

Liebe Leidenden, die Ihr Euch als Opfer von Machtgier und Kartenspielen seht, seid doch bitte einmal so nett und vergegenwärtigt Euch für einen Moment lang den Sinn eines Streiks. Das ist der, Verbesserungen für die Arbeitnehmer zu erzielen. Das ist der, mehr Einkommen zu erzwingen. Das ist der, hinterher besser dazustehen als vorher. Der Streik ist dabei nur das letzte Mittel, er greift, wenn alle Verhandlungen gescheitert sind, keine Kompromisse erreicht werden konnten. Das ist bei der GdL der Fall.

Dieser an allen Ecken und Enden erklingende "Herr Weselsky, jetzt reicht es aber mal"-Tenor ist lächerlich! Genauso lächerlich wie der Vorwurf, die Fahrgäste der Bahn müssten leiden, weil die GdL streikt. Es ist ein unerträglicher Versuch, jede Solidarität mit der Gewerkschaft möglichst im Keim zu ersticken. Auch der Hinweis, andere Branchen würden schließlich nicht streiken, ist albern. Es müsste viel mehr gestreikt werden! Die GdL kann als leuchtendes Vorbild betrachtet werden, das sich auf Zeitspiele und leere Rhetorik nicht einlässt. So wird ein Schuh draus.

Und dann noch eine Anmerkung zum Schluss: Streiks bedeuten nun einmal, dass die uneinsichtigen Unternehmen getroffen werden, dass sie spüren, die Arbeitnehmer haben durchaus Handlungsmöglichkeiten. Wie sollte denn der Widerstand der Lokführer aussehen, wenn nicht durch Streik? Sollen sie Aufkleber an der Uniform anbringen, auf denen steht "Ich bin unzufrieden!", während sie brav und ausdauernd ihren Job machen und die Fahrgäste von A nach B fahren?

Liebe Streik-Kritiker, jetzt reicht es aber mal!

Bild: "ICE 3 Oberhaider-Wald-Tunnel" von Sebastian Terfloth User:Sese_Ingolstadt - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons #Wolfs Wort