Die Haltung der Bundesregierung war bislang klar und deutlich: Reparationszahlungen an die Griechen werde es nicht geben. Doch der Gegenwind wurde immer heftiger. Neben der SPD-Politikerin Gesine Schwan sprachen sich auch andere Sozialdemokraten und Grüne für Entschädigungszahlungen an Griechenland aus. Die Partei Die Linke ist naturgemäß sowieso für eine angemessene Zahlung. #Wolfgang Schäuble verfolgt zwar andere Ziele, nähert sich aber offenbar den Forderungen mancher Politiker an.

Worauf beruhen die Reparationszahlungen

Die Gräueltaten der Nazis wirken noch immer nach. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in dem die Nazis auch die Griechen bis aufs Blut haben leiden lassen, kommen aus Athen Forderungen nach Entschädigungen. Für Gesine Schwan geht es ums Grundsätzliche: "Es geht darum anzuerkennen, dass wir in Griechenland schlimmes Unrecht begangen haben", sagte die Politikerin. Mit dieser Haltung steht sie zwar nicht alleine, aber ganz sicher nicht auf einer Linie mit Wolfgang Schäuble. Zumindest bislang nicht.

In den Medien wurden bisher verschiedene Summen einer Reparationszahlung diskutiert. Diese variieren dabei von 70 Milliarden bis zu 400 Milliarden Euro.

Laut einer griechischen Studie, die vor kurzem von der Zeitung To Vima, veröffentlicht wurde, könnten die Griechen insgesamt zwischen 269 und 332 Milliarden Euro fordern.

Diese Forderungen beruhen auf den immensen Schäden, die in Griechenland im Rahmen der damaligen Besatzung entstanden sind, sowie einer noch ausstehenden Kreditschuld Deutschlands. Dabei behauptet Griechenland, dass die griechische Zentralbank Deutschland im Jahr 1942 einen Kredit in Höhe von umgerechnet elf Milliarden Euro, inklusive angefallener Zinsen, gewährt hat. In den Archiven des auswertigen Amtes lässt sich hierüber jedoch kein Vermerk finden und Kritiker argumentieren zudem damit, dass Deutschland seine Schulden bereits mit dem Reparationsvertrag von 1960 abgegolten habe.

Da Deutschland sich bisher nicht einsichtig zeigte, wurde in Griechenland bisher bereits über eine Pfändung deutscher Immobilien diskutiert.

Welche Auswirkungen hat die Zahlung

Die Tatsache, dass der deutsche Finanzminister Schäuble nun doch darüber nachdenkt, die Griechen zu entschädigen, hat eher pragmatische Gründe. Er will zum einen das Thema "vom Tisch" haben und zum anderen die Höhe möglicher Zahlungen nachjustieren. Zeigt sich Griechenland dann weiterhin unbeweglich, steht Schäuble in einem guten Licht da, während die griechische Regierung in Erklärungsnot gerät.

Doch selbst wenn Schäubles neue Haltung nur ein geschickter Schachzug wäre, in der Konsequenz wäre es die Möglichkeit, die Thematik der Reparationen endgültig aus der Welt zu schaffen. Damit dürfte Schäuble rechnen. Typisch Finanzminister eben.