Nach dem Einzug ins Europaparlament kündigten die AfD-Politiker als Erstes an, dass sie auf Politikerprivilegien wie Erste-Klasse-Flüge und -Bahntickets verzichten werden. Sie wollten ausschließlich in der Zweiten Klasse reisen.

Diese Ankündigung ist angesichts der populistischen Politikerschelte der Partei nur konsequent und passt im Übrigen auch zu Bernd Luckes pietistischem, von Verzicht geprägten Lebensstil. Lucke empfängt Journalisten schon mal auf Inline-Skatern und besitzt privat überhaupt kein Auto.

Dennoch gab es von Seiten politischer Beobachter auch Kritik. Exponierte Vertreter einer Partei wie der AfD seien in der Öffentlichkeit besonders gefährdet, Opfer von gewaltsamen Angriffen politischer Gegner zu werden, war ein Argument. Schließlich sind Angriffe linksextremer und islamistischer Gruppen auf Andersdenkende seit Jahren ein Thema und rechte Politiker wie Geert Wilders, HC Strache oder Marine Le Pen kämen niemals auf die Idee, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln und dann auch noch in der Zweiten Klasse zu präsentieren.

Nun scheint es Lucke zum ersten Mal erwischt zu haben: Fans des FC Köln trafen auf der Rückfahrt vom Auswärtsspiel gegen Hertha BSC Berlin im Zug auf den AfD-Sprecher und forderten ihn mit Sprechparolen dazu auf, den Zug zu verlassen, berichtet der Kölner EXPRESS. "Wir wollen keine Nazis hier", so die Fußballfans, die für sich offensichtlich herausnahmen, entscheiden zu dürfen, wer in Deutschland in einem Zug sitzen darf und wer nicht. Lucke antwortete, er sei privat mit seiner Frau unterwegs und wolle in Ruhe gelassen werden, was die Fans aber nicht hinderte, einfach weiterzumachen.

Das Verhalten der FC-Fans war nicht nur einfach ungehobelt, sondern stellte auch strafbare Beleidigungen und eine versuchte Nötigung dar. Lucke rief schließlich die Polizei, die ab dem Bahnhof Hamm an jeder Station bereitstand, um einzugreifen. Trotz der strafbaren Handlungen kamen die FC Fans also mit einer mündlichen Verwarnung davon: Lucke hatte anscheinend keinen Strafantrag gestellt. #Wahlen