Angeblich wird für einige Leute die Luft dünner in Sachen BND-Skandal. Für Gerhard Schindler zum Beispiel, den Chef des Bundesnachrichtendienstes, der sich als Schuldiger zur zeitnahen Entsorgung am besten eignet. Für den heutigen Innenminister Thomas de Maizière, der schon 2008 von umfangreicher Wirtschaftsspionage der NSA gewusst haben soll. Und Frank-Walter Steinmeier hatte wohl schon 2001 eine Zusammenarbeit zwischen BND und NSA besiegelt - um gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen, das versteht sich ja nun von selbst.

Nur Angela Merkel steht da wie ein Fels in der Brandung. Und da Felsen nicht sprechen können, macht es die Kanzlerin ihnen gleich. Und sagt nichts.

Was Merkel wusste oder nicht wusste ... man weiß es nicht. Wie sie zu der ganzen Sache steht ... man weiß es ebenfalls nicht. Ob es Konsequenzen geben wird … ebenfalls Fehlanzeige. Wenn Merkel etwas raus haut, dann Tiefschürfendes wie "Jetzt geht es darum, die Dinge vollständig aufzuklären."

Ach, jetzt schon? Da legt aber jemand den Turbo ein.

Normalerweise müsste die ganze Republik sich über Merkel kaputtlachen! Oder sie vom Hof jagen, besser noch: beides. Denn als oberste Dienstherrin ist es eigentlich egal, was sie wusste oder nicht wusste. Wenn sie keine Ahnung hatte, was BND und NSA miteinander trieben, ist das der Beleg dafür, dass sie ihren Geheimdienst nicht im Griff hat. War sie eingeweiht, beweist das, dass sie Mitwisserin war, die den Dingen ihren Lauf ließ. Wohl jeder andere in Merkels Situation wäre an dieser Stelle schon Geschichte. Nicht aber die Kanzlerin, sie überragt nach wie vor alles, schwebt schweigend über den Dingen, die sie zu verantworten hat.

Dass die Bundesregierung viel redet, aber nichts sagt, ist nichts Neues. Im Falle BND/NSA allerdings wird das Hohlplaudern auf die Spitze getrieben. Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz erläuterte auf einer Pressekonferenz, dass sie die Stimme Merkels sei und die Kanzlerin selbst sich daher gar nicht äußern müsse. Aber man mache sich irgendwie Gedanken über mögliche Konsequenzen und solche Dinge. Das könne sie in Merkels Namen sagen.

Aber das steht ja auch alles in der offiziellen Pressemitteilung der Bundesregierung, aus der hervorgeht, dass man den "komplexen Sachverhalt vollständig" aufgeklärt sehen möchte. Dort steht auch, dass es technische und organisatorische Defizite beim BND gebe und dass angeordnet wurde, die aber mal ganz schnell zu beheben. Das wars im wesentlichen auch schon. Ob es mehr Informationen gibt? Nein, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert wiederholt, "dem ist nichts hinzuzufügen."

Wenn man wissen will, wer noch verdeckter arbeitet als die NSA oder der BND, muss man im Grunde nur eine Pressekonferenz der Bundesregierung besuchen. Die rückt mit nichts raus, verstrickt sich in Plattitüden und bastelt Formulierungen, die so stabil sind wie Butter in der Sonne.

Merkel selbst ist die Königin des schweigenden Haufens. Mit dem Unterschied, dass sie sich nicht einmal zu kleinen Statements hinreißen lässt. Das machen ihre Lakaien. Und von denen wird der eine oder andere wahrscheinlich bald gehen müssen. Merkel selbst wird auch dazu schweigen. Und weiter regieren. Obwohl sie diejenige ist, die klar Stellung beziehen müsste, die die Aufklärung (und zwar eine, die diese Bezeichnung auch verdient) mit aller Macht vorantreiben müsste, die normalerweise mit dem Rücken zur Wand und kurz vor dem Rücktritt stehen müsste. Wenn denn jemand da wäre, der das ausspricht.

Aber da ist niemand. Merkel steht ganz alleine und machtvoll wie gewohnt da. Und wie Sie sehen, sagt sie dabei nix.

Warum sollte sie auch? Schließlich funktioniert es so doch auch.

Bild: Angela Merkel - World Economic Forum Annual Meeting 2011" von World Economic Forum - Flickr: Angela Merkel - World Economic Forum Annual Meeting 2011. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons #Wolfs Wort