Mit dem 1. April 2015 endete die 1984 vom EG-Ministerrat durchgesetzte Milchquote. Sie wurde aufgrund einer ausufernden Milchproduktion beschlossen, die Entfernung der Überschüsse war mit hohen Kosten verbunden. Diese "Milchseen" sollten durch eine fest zugeteilte Quote und bei Überschreitung dieser mit Sanktionen eingedämmt werden. Jedes Mitglied der EG wurde eine nicht veränderbare Quote zugewiesen. Ein weiteres Ziel war die Stabilisierung des Milchpreises.

Mit der Gründung der Europäischen Union 1993 wurde die Regelung übernommen. Die Agrarreform der EU streicht nun im Zuge einer Liberalisierung die Milchquote ersatzlos. Die Diskussionen verlaufen hitzig.

Der steirische Landwirtschaftskammerpräsident Franz Titschenbacher ist vorsichtig optimistisch. Laut ihm habe sich der heimische Milchmarkt gut vorbereitet. Der Internationale Markt würde jährlich um 2 % wachsen - neben den Risiken sieht Titschenbacher hier also auch Chancen, vor allem im österreichisch gut aufgestellten Bereich der Bio- und Spezialitätenproduktion. Fast 50 % der heimischen Milchproduktion würde ohnehin bereits exportiert werden.

Ähnlich sieht es auch der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Helmut Petschar. Auch er hebt die im internationalen Vergleich sehr hohen Qualitätsansprüche der österreichischen Milch hervor und betont eher die Wachstumschance, denn die bevorstehenden Risiken.

Der Obmann der IG Milch, Ewald Grünzweil, sieht das anders: "Der Traum der wachstumswilligen Betriebe, dass mit dem Auslaufen der Quote dieses Wachsen leistbar wird, wird zu einem Bumerang werden. In der Landwirtschaft wird sich nicht der durchsetzen, der am besten, gerechtesten, nachhaltigsten und umsichtigsten seinen Betrieb führt, sondern das Gegenteil wird der Fall sein.", ist von ihm in einer Presseaussendung zu lesen. Grünzweil befürchtet bei der kommenden Liberalisierung einen starken Nachteil für die Kleinbauern - auch wegen einer Benachteiligung bei Fördermodellen und nachteiligen Vertragspunkten, wie einer Mindestgrenze bei Hofabholung. Er fordert deswegen eine Branchenvereinbarung, die einen Milchpreis von 0,50 Euro netto für konventionelle Milch, und 0,60 Euro netto für Biomilch für die ersten 66.666 produzierten Liter garantiert.

Die Grünen unterstützen die IG-Milch bei ihren Protesten. Wolfgang Pirklhuber stellt ein 10-Punkte-Programm vor, in dem auch ein Mindestpreis enthalten ist - allerdings nicht auf eine Litermenge limitiert, sondern für 2/3 der produzierten Milch. Jene, welche laut Pirklhuber auch in Österreich konsumiert werden würde.

Quelle: APA www.ots.at