Berlin sagt "Nein"! Und das kommt in Moskau gar nicht gut an. 20 Mitglieder des russischen Rockerclubs "Nachtwölfe" wollten auf ihren Motorrädern von Moskau nach Berlin fahren. Es sollte die Siegesfahrt anlässlich des Kriegsendes vor 70 Jahren sein. Doch nachdem Polen der als ultranationalistisch geltenden Gruppe ein Einreiseverbot erteilte, zieht Deutschland nun mit. Einreiseverbot für die Wölfe. Alexander Saldostanow spricht in einem Interview mit der "taz" von Hetze und Hysterie.

Wenn der politische Wille fehle, die Biker in einer Kolonne fahren zu lassen, soll jeder für sich in Berlin zum Mahnmal in Treptow fahren, sagte der Rockerchef dem Berliner Blatt. Treptow ist ein Berliner Bezirk im Ostteil der Stadt. In dem gleichnamigen Park steht das sowjetische Ehrenmal. Dort wird den gefallenen russischen Soldaten gedacht. Ein Soldat mit einem Kind auf seinem Arm steht als große Statue vor dem Mahnmal. Die Mahnmalstelle wird regelmäßig von Polizeistreifen überwacht. Es gilt als besondere Begegnungsstätte für die Russen.

"Die Hetze und Hysterie zeigt uns, dass wir wieder als Feinde wahrgenommen werden." Ob Saldostanow noch fährt, hänge davon ab, ob er ein Visum bekommt. "Es wird eine Gedenkfahrt, keine Propagandaveranstaltung oder Machtdemonstration. Wie auch? Wir sind 20, 30 Biker." Den "Nachtwölfen" sagt man gute Kontakte zum russischen Präsidenten, #Wladimir Putin, nach. Gern zeigt sich Alexander Saldostanow - alias "Chirurg", so wird er von seinen Leuten genannt - in der Vergangenheit mit Russlands Präsidenten Putin.

Auf die kritische Nachfrage, warum der Biker-Boss keinen Hehl daraus macht, bei der Besetzung der Krim dabei zu sein, antwortete Saldostanow: "Ich bin verwundert, dass Deutschland der US-amerikanischen Politik ohne Murren folgt. Wo die USA auftauchen, herrscht Chaos und fließt Blut." Er hasse Amerika nicht, aber seine Politiker verachte Saldostanow. "Die amerikanische Weltanschauung ist sehr begrenzt, sie besteht aus Phrasen und Losungen. Unsere Bildung geht in die Breite, wir sind keine engstirnigen oder hochgezüchteten Fachidioten.". Alexander Saldostanow verehre Putuin und tue alles, damit "die Typen" der demokratischen Opposition ihn niemals anfassen. "Was ich bin, verdanke ich ihm!"

Zur Person

Alexander Saldostanow ist 53 Jahre alt und der Gründer und Chef des ersten russischen Rockerclubs mit dem Namen "Nachtwölfe". Der Russe ist gelernter Arzt und trägt aufgrund dieser beruflichen Tätigkeit den Beinamen "Chirurg". Es hat also nichts mit Gewaltexzessen an Gegnern zu tun, die man aus dem Namen ableiten könnte. Er ist schon lange Bekenner zur Stadt Berlin, diese sei mit seine Lieblingsstadt. Sein Biker-Club in Moskau trägt deshalb den Namen der Kneipe am Berliner Winterfeldtplatz, wo er als Türsteher arbeitete. In Moskau nennt sich deshalb der Club "Sexton".