Vergangenen Freitag wurden mindestens 20 Personen getötet und drei weitere schwer verletzt als eine Gruppe vermummter Männer, mit schweren Maschinengewehren ausgestattet, die Baustelle eines Staudammprojekts in der pakistanischen Provinz Belutschistan angriff. Die überlebenden Augenzeugen berichten, dass die ermordeten Bauarbeiter nebeneinander aufgereiht und dann, direkt von vorne, einer nach dem anderen exekutiert worden sein sollen. Auch sollen die Getöteten gezielt nach ihrer Herkunft ausgewählt worden sein, da nur Arbeiter, die nicht direkt aus Belutschistan – der flächenmäßig größten Provinz des Landes – stammten ermordet worden sind.

Die anwesenden Sicherheitsmänner, Mitglieder einer paramilitärischen Einheit des pakistanischen Verteidigungsministeriums sollen alle geflüchtet sein, als sie die große Anzahl an Angreifern bemerkten. Die sogenannte „Balochistan Liberation Front“ (auf Deutsch: „Belutschistan Befreiungs Front“) soll sich – so berichten internationale Pressedienste – öffentlich für den Angriff bekannt haben. Laut einem Sprecher der, von der pakistanischen Regierung als #Terror-Organisation eingestuften Gruppe, sollen die ermordeten „Helfer und Kollaborateure der pakistanischen Armee“ gezielt ausgewählt worden zu sein, um die Opposition der „Front“ gegen die pakistanische Armee und deren Aktivitäten in der Region auszudrücken.

Das Bauprojekt, welches, laut Angaben lokaler Journalisten von der pakistanischen Armee finanziert werden soll dient der Errichtung eines mittelgroßen Staudamms zur Energiegewinnung. Es soll Teil einer größeren, in vielen Teilen der Provinz stattfindenden Bau- und Konstruktionskampagne sein, um die lokale Infrastruktur zu entwickeln. Obwohl die Entwicklung der Infrastruktur von einem Großteil der Bevölkerung von Belutschistan als positiv bewertet wird, gehen die Meinungen über die eigentliche Motivation hinter der Kampagne weit auseinander: so sieht ein Teil der lokalen Einwohner die Projekte primär als von wirtschaftlichen Interessen getrieben und daher als durchaus vorteilhaft für die Provinz, während ein anderer Teil, vor allem die Anhänger der afghanischen Taliban, sowie die Unterstützer der nationalistisch geprägten „Befreiungsfront“ dahinter vor allem den Versuch der pakistanischen Armee und der Zentralregierung sehen, ihren Einfluss in Belutschistan weiter auszubauen.

Außerdem wirft die „Balochistan Liberation Front“ der pakistanischen Armee immer wieder vor, die lokale Bevölkerung der Provinz bewusst und auf systematische Art und Weise zu schikanieren und zu belästigen. Selbst grundlose Massenverhaftungen und die mutwillige Zerstörung privaten Eigentums, wie die schwere Beschädigung von Feldern lokaler Bauern, oder der Beschuss von bewohnten Häusern und Ställen sollen regelmäßig von der pakistanischen Armee durchgeführt werden.

Die Armee und lokale Regierungsvertreter bezeichnen die „Front“ und deren Anhänger hingegen als Terroristen und Anarchisten, welche die Spaltung der Nation und die Zerstörung des pakistanischen Staates anstreben.

Außer Zweifel steht, dass beide Seiten großes Interesse an den signifikanten Erdgas- und Mineralienvorkommen der Region hegen und dass das Geld, das durch die Förderung und den Abbau der lokalen Rohstoffe verdient werden kann, einer der Hauptgründe des bestehenden Konflikts ist.

Quellen:

BBC – Pakistan dam builders shot dead in Balochistan

DMOZ – Guide to Balochistan (Pakistan)