Am morgigen Freitag beginnt vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess im Fall Tuğçe Albayrak gegen Sanel M. aus Offenbach. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Am 15. November vergangenen Jahres hatte der Beschuldigte auf einem Parkplatz vor einem Schnellrestaurant Tuğçe Albayrak gegen den Kopf geschlagen. Sie stürzte dabei zu Boden und fiel ins Koma. Kurz vor ihrem 23. Geburtstag haben die Ärzte im Krankenhaus ihren Gehirntod festgestellt. Am 28. November wurden dann die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt - es war ihr 23. Geburtstag.

Vor dem Gerichtsgebäude haben die Unterstützer der Familie am Prozesstag zu einer Mahnwache für Tuğçe Albayrak aufgerufen. Es gilt als sicher, dass viele Menschen daran teilnehmen werden. Über 190. 000 Leute haben inzwischen die Facebookseite für die Verstorbene „Tuğçe zeigte Zivilcourage, zeigen wir ihr unseren Respekt“ geliked.

Hintergrund der Tat war, dass die Studentin auf der Toilette des Schnellrestaurants einen Streit zwischen einer Gruppe junger Männer und zwei Mädchen bemerkt hatte. Sie hatte Zivilcourage gezeigt und sich vor die Mädchen gestellt. Als Tuğçe gemeinsam mit ihren Freunden zum Parkplatz ging, kam es dann zu dem tödlichen Angriff.

Die Gelnhausenerin gilt für viele als Heldin und Vorbild. Auch nach ihrem Tod hatte Tuğçe Albayrak Menschen geholfen. Einige ihrer Organe wurden drei schwerstkranken Menschen eingepflanzt. Ihre Familie wollte ihr diesen Wunsch nicht abschlagen und hatte der Organspende nach ihrem Tod zugestimmt. Über 300.000 Menschen hatte in einer Online-Petition die Mächtigen des Landes dazu aufgerufen, Tuğçe das Bundesverdienstkreuz „post hum“ zu verleihen.

An Tuğçes Geburtstag hatten sich rund 1.500 Menschen vor dem Sana-Klinikum versammelt. Es war eine sehr emotionale Stimmung. Die Menschen weinten. Ihre Eltern und Brüder standen am Fenster und beobachteten die Menschen, die zum Abschied von der jungen Frau gekommen waren. Das Aufgebot an Journalisten war erheblich. Mehre Kamerateams und auch Übertragungswagen berichteten vor Ort.

Die Höchststrafe für Körperverletzung mit Todesfolge liegt zwar bei 10 Jahren, aber das Strafmaß dürfte im Falle einer Verurteilung von Sanel M. weit geringer ausfallen. Der Fall wird nach dem Jugendstrafrecht verhandelt. In dem Fall steht das erzieherische vor dem Sühnecharakter. #Gesundheit